Wilster

Corona-Krise: Nachgefragt auf dem Wochenmarkt

Marco Bauer (29)

„Seit der Corona-Krise verzeichnen wir den doppelten Umsatz. Es kommen derzeit viele Kunden zu uns, die wir zuvor auf dem Wochenmarkt nicht gesehen haben. Statt in Scheiben wird der Käse derzeit vermehrt in großen Stücken gekauft. Nachschubprobleme gibt es keine. Die meisten Wochenmarktbesucher machen einen sehr entspannten Eindruck und verhalten sich äußerst diszipliniert. So werden hier die empfohlenen Sicherheitsabstände zur nächsten Person sehr gut eingehalten“, sagt Käsehändler Marco Bauer (29) aus Hohenlockstedt.

Hauke Reusch (42)

„Die Nachfrage nach frischem Fisch ist merklich gestiegen. Solange die Grenzen für den Warenverkehr noch offen sind, können wir die Kundenwünsche auch noch erfüllen. Sollte Dänemark jedoch seine Grenzen für den Warenverkehr schließen, wird es problematisch. Auch die Deutschen Fangschiffe fahren von Dänemark aus hinauf auf See, da die Wege zu den Fangplätzen für Kabeljau und Rotbarsch von dort deutlich kürzer sind. Auffällig ist, dass die Marktbesucher viel mehr Zeit mitbringen als es sonst der Fall ist. Es geht deutlich ruhige und nicht so hektisch zu“, so Fischhändler Hauke Reusch (42) aus Friedrichskoog.

Nina Wilken (42)

„Unter meinen Kunden sind viele neue Gesichter. Ich habe den Eindruck, dass viele die sonst vielleicht in Restaurants Essen gegangen wären, sich nun vermehrt hier auf dem Wochenmarkt mit frischem Fleisch eindecken und sich zu Hause etwas Schönes gönnen. Während die meisten Menschen doch sehr umsichtig sind, gibt es immer noch einige, die beispielsweise in die Hand husten, bevor sie mir ihr Geld geben. Für mich bedeutet dies, dass ich noch intensiver als ich es eh schon tue, auf die Hygiene achten muss. So wechsle ich beispielsweise bei nahezu jeden Arbeitsvorgang die Einweghandschuhe“, erklärt Fleischverkäuferin Nina Wilken (42) aus Nordhastedt.

Maren Reineri (71)

„Ich bin zum Teil erschüttert, wie schrecklich das Kaufverhalten einiger Kunden ist. Einige wollen plötzlich die doppelte oder gar dreifache Menge an Brot haben. Da muss ich die dann schon mal ausbremsen. Schließlich sollen meine Kunden, die erst etwas später kommen auch noch etwas abbekommen. Was ich habe muss für all reichen. Seit 30 Jahren bin ich auf dem Wochenmarkt, da weiß ich genau wer wann kommt und was der Kunde dann haben will. Mein Wagen ist immer so gepackt, dass ich am Ende leerverkauft bin. Weggeschmissen wird bei mir nix“, sagt Maren Raineri vom Brotexpress aus Volsemenhusen.

„Durch die derzeitige Situation haben wir einen anderen Kundenzulauf. Es kommen viele Menschen, die zuvor nicht auf dem Wochenmarkt eingekauft haben. Wir haben jedoch nicht den Eindruck, dass diese herkommen um Hamsterkäufe zu tätigen, sondern für den normalen Verbrauch einkaufen. Durch die gestiegene Anzahl der Kunden verkaufen wir unseren Waren deutlich schneller und sind somit auch früher ausverkauft. Da sämtliche Restaurants schließen und Feierlichkeiten abgesagt werden musste, ist das Warenangebot auf dem Großmarkt zurzeit noch größer als sonst. Um den Nachschub machen wir uns daher derzeit keine Sorgen. Doch je nachdem wie lange die Krise anhält kann es aufgrund fehlender Erntehelfer noch zu Problemen kommen“, so Obst- und Gemüsehändler Horst-Werner Seifreid aus Hohenlockstedt und sagt weiter: „Viele meiner Kunden wie ich selbst auch, sind erstaunt darüber, wie schnell sich manche Dinge verändern. Hier auf dem Markt gehen die Menschen äußerst rücksichtsvoll, umsichtig nahezu fürsorglich miteinander um. Gerade meine älteren Kunden äußern häufig, dass dieses Gefühl des Miteinanders, den Zusammenhalt unter den Menschen vermisst haben und dass sie hoffen, dass die neugewonnene Fürsorge die Krise überdauert.“

Manfred Czarnetzki (64)

„Mit meiner Oster- und Gartendekoration zähle ich nicht zu den Grundversorgern. Ich hoffe jedoch, dass ich auch weiterhin hier stehen darf. Mein Geschäft für Dartzubehör musste ich schließen. Dort laufen meine Kosten wie Miete jedoch noch weiter, die ich nun versuche über den Wochenmarktstand einzuholen. Zusätzlich habe ich noch ein kleines Unternehmen für Gartenpflege. Auch hier habe ich die Sorge, dass ich meine vier Mitarbeiter vielleicht bald nach Hause schicken muss“, so Manfred Czarnetzki (64) aus Dammfleth.

„Es ist erstaunlich, dass sich die Menschen hier auf dem Wochenmarkt so ganz anders verhalten als in der nahegelegenen Bäckerei oder im Supermarkt. Während hier Sicherheitsabstände eingehalten werden und sich die Menschen überaus geduldig zeigen, sieht es mit der Rücksichtnahme an den anderen Orten ganz anders aus“, bemerkt Marktbesucher Björn Kröger.