Wilster

Bangen um traditionellen Jahrmarkt

Kommunalpolitiker bangen um Traditionsveranstaltung: Seit über einem Jahrhundert rühmt sich Wilster damit, Ausrichter des größten Jahrmarktes an der Westküste zu sein. Doch dort wo einst zu den Veranstaltungstagen Menschenmassen Straßen und Plätze füllten herrscht heute beinahe gähnende Leere. Problematisch sind jedoch nicht nur die stark rückläufigen Besucherzahlen.

Auch gestaltet es sich immer schwieriger, die bereits verkleinerte Veranstaltungsfläche mit attraktiven Fahrgeschäften und fliegenden Händlern zu besetzen. „Die Zahl der Schausteller geht ebenfalls zurück“, erklärte Marktmeister Lars Bleker im Sozialausschuss. Bei den verbliebenen Markt-Beschickern steht die Frage der Wirtschaftlichkeit an oberster Stelle. „Der Jahrmarkt, der am Gewinnträchtigsten erscheint, wird ungeachtet aller zuvor getroffenen Vereinbarungen angefahren“, so Bleker. Die Angst vor kurzfristigen Absagen von bereits angemeldeten und fest eingeplanten Schaustellern nimmt daher zu. Dann unmittelbaren Ersatz zu bekommen, gestaltet sich meistens nahezu unmöglich. Die Folgen sind klaffende Lücken, die sich negativ auf das Erscheinungsbild der Veranstaltung als auch auf die Stimmung der Besucher auswirken.   

Marktmeister Lars Bleker

Der größte Jahrmarkt an der Westküste hat viel von seinem alten Glanz verloren. Doch mit dem Problem steht Wilster nicht allein da. „In zahlreichen Städten gibt es bereits keine Jahrmärkte mehr“, betont Bürgermeister Walter Schulz. Angesichts der Entwicklung und der jährlich zunehmenden Sorge um die Traditionsveranstaltung in der Marschenstadt gab CDU-Ratsherr Andreas Prüß zu bedenken: „Auch wir müssen uns allmählich davon verabschieden, den größten Jahrmarkt an der Westküste zu haben und mit dem Gedanken anfreunden, die Traditionsveranstaltung künftig ganz anders, vielleicht mehr mit dem Charakter eines Volksfestes aufzuziehen.“

Die Nachricht aus Hamburg, den Sommerdom künftig, statt bislang vier gleich fünf Wochen stattfinden zu lassen, verschärft die prekäre Situation rund um den Jahrmarkt in der Marschenstadt erheblich. Ungeachtet der zunehmenden Probleme wollen die Kommunalpolitiker der Wilsteraner Sozial- und Christdemokraten den Jahrmarkt jedoch nicht einfach so einstampfen. Stattdessen wolle man sich darauf verständigen, künftig generationsübergreifende, bezahlbare Konzepte zu entwickeln, deren Schwerpunkte weniger in den Fahrgeschäften als in den feierlichen Aktivitäten und Mitmachaktionen liegen.

In Zusammenarbeit mit eigens für den Jahrmarkt gegründeten Arbeitskreis, bestehend aus Mitarbeitern der Verwaltung und Mitglieder beider Fraktionen ist es dem Marktmeister für das laufende  Jahr noch einmal gelungen einen Markt auf die Beine zu stellen, der abgesehen von einigen kleinen Änderungen an dem alten Konzept festhält.   

Erstmalig werden in diesem Jahr im Zuge der Eröffnungsfeier am Freitag, den 10. Juli, vor dem Neuen Rathaus keine Luftballons steigen gelassen. Stattdessen sollen Fahrchips und Gutscheine zusammen mit den Bonbons in das Publikum geworden werden. Neu ist ebenfalls ein geplanter, gebührenfreier Kinderflohmarkt im Trichtergarten am Familientag (14. Juli) in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Die Bemühungen, rund um die Kirche gastronomische Betriebe anzusiedeln, die zum Verweilen auf dem Jahrmarkt einladen, laufen derweilen noch. Wie im Vorjahr sind 65 Bewerbungen verschiedener Geschäfte für den Jahrmarkt eingegangen. „Es sind sehr attraktive Fahrgeschäfte dabei, sodass wir so wie wir derzeit dastehen, einen besseren Jahrmarkt als im Vorjahr präsentieren können – sofern keine kurzfristigen Absagen kommen“, äußerte Lars Bleker.