Wilster

Weihnachtsengel: Langjährige Sammelleidenschaft

Seit 64 Jahren frönt Doris Busch einer besonderen Sammelleidenschaft. Kleine Engel sind es, die es der Wilsteranerin angetan haben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendwelche Himmelsboten, sondern um die weltberühmten, mit elf Punkten auf ihren Flügeln versehenen Grünhainichener Engel aus der Wendt & Kühn Manufaktur im Erzgebirge. Über 85 dieser handgefertigten Figuren aus Holz nennt sie bereits ihr Eigen und jedes Jahr kommt mindestens eine weitere hinzu. Je nachdem wie viele Neuerscheinungen die Werkstätten mit ihren derzeit 190 Mitarbeitern verlassen. „Ich weiß schon, dass auch in diesem Jahr die Neuerscheinung von meinem Sohn aus München hinzukommen wird“, verrät die Sammlerin.

Pünktlich zum ersten Advent findet jede einzelne ihrer Figuren, ihren Platz auf einer Anrichte im Wohnzimmer. Zusammen bilden sie ein großes Orchester. „In jedem Jahr ist es mir eine große Freude, diese liebevolle Handwerkskunst aufzubauen – Weihnachten kann dann für mich kommen“, sagt die leidenschaftliche Sammlerin. Bis zu drei Stunden kann es schon mal dauern, bis alle Engel aus dem Seidenpapier geholt und ihren jeweiligen Platz gefunden haben. Und genau so lange dauert es im Januar, die Grünheinichener Holzfiguren mit einem Pinsel zu entstauben, in Seidenpapier einzuwickeln und wieder sicher in einem Karton zu verstauen.

Entfacht wurde die Sammelleidenschaft 1955 durch die Tante. Die Diakonisse aus Wernigerode im Harz, brachte bei einem Besuch der Familie den ersten Engel mit. „Bis zum Mauerfall war es gar nicht so einfach, an diese Figuren heranzukommen“, erinnert sich Doris Busch. Nach dem Fall der Mauer und der Öffnung der Grenzen dauerte es eine kurze Weile bis die Engel auch im Westen ohne Probleme erhältlich waren. „In Wilster konnte ich die Engel im Haushaltswarengeschäft Kruse erwerben“, erinnert sich Doris Busch.

Ihre Begeisterung für die Holzhandwerkskunst teilte sie zur damaligen Zeit mit ihrem Ehemann Werner Busch. „Die Zeit des Umbruchs in der ehemaligen DDR hat mein damaliger Mann 1989 genutzt, um sechs Handwerker aus der für ihre Holzhandwerkskunst bekannten Gemeinde Seiffen zu einem Weihnachtsmarkt in die Marschenstadt zu holen“, sagt Doris Busch. Drei Tage lang stellten die Kunsthandwerker im ehemaligen Autohaus Stoldt in der Straße Steindamm ihr Können unter Beweis. „Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie mitten im Winter und spät in der Nacht mit ihren Trabbis in Wilster ankamen.“ Im Hotel ihres damaligen Mannes wurde der Besuch untergebracht. Von den außergewöhnlichen Fertigkeiten im Bereich der Holzverarbeitung zeigte sich die Besucher des Weihnachtsmarktes überaus beeindruckt.

Der Kontakt zu den Holzkünstlern blieb lange bestehen und so ergab es sich, dass Doris Busch die 1915 gegründete Manufaktur Wendt & Kühn besichtigen und den nach Wilster gekommenen Kunsthandwerkern einen Gegenbesuch abstatten konnte.

Mittlerweile werden regelmäßig Führungen bei dem in Grünhainichen ansässigen Hersteller von bemalten Holzfiguren und Spieldosen in der Tradition des Erzgebirges angeboten. Den Wert der Figuren, die seit 1925 markenrechtlich geschützt sind, haben längst auch andere Unternehmen erkannt. Diese bauen die Engel in leicht veränderter Form nach. „Die Nachbauten erkennt man unter anderen daran, dass sie nicht die elf Punkte auf den Flügeln haben“, weiß Doris Busch. Das in dritter Generation von Claudia Baer – geborene Wendt, und Dr. Florian Wendt geführte Familienunternehmen kann eine erlebnisreiche Geschichte vorweisen. Enteignung, Verstaatlichung und die Reprivatisierung hat die Manufaktur erfolgreich überstanden. Mittlerweile sind die handgefertigten Kunstwerke des Traditionsunternehmens Wendt & Kühne weltweit gefragt. Japan ist nach den USA, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden der fünftgrößte Exportmarkt des Familienunternehmens.