Sankt Margarethen

Klimaschützer suchen das Gespräch

Initiative “Free the Soil” lädt zum offenen Austausch bei Knabbereien und Getränken ein.

Knapp vier Monate nach dem mehrtägigen Agrar-Protest gegen Yara, laden Umweltschützer von „Free the Soil“ Anwohner, Landwirte und Interessierte zu einer Nachbesprechung und offenem Austausch ein. Die Veranstaltung findet am 13. Januar um 19.30 Uhr im Dolling Huus statt. In der Elbgemeinde sorgte die Ankündigung für gemischte Gefühle.

Mehrere Hundert Umweltaktivisten aus Dänemark, Belgien, Deutschland, Schweden und Frankreich versammelten sich in September für eine Woche in St. Margarethen um sich gegen die industrielle Form der Landwirtschaft auszusprechen. Während sich die Teilnehmer in der Elbgemeinde von ihrer friedvollen Seite zeigten und im Camp zu Vorträgen und Workshops einluden, riefen die Organisatoren der Protestversammlung abseits der kleinen Zeltstadt zu Massenaktionen des zivilen Ungehorsams insbesondere gegen den Kunstdüngemittelhersteller Yara auf.

Mehr als 28 Stunden blockierten die Aktivisten die Eingänge der Produktionsstätte des Düngemittelherstellers Yara. Einige Protestteilnehmer starteten den Versuch in das Werksgelände einzudringen, was am Ende auch gelang und von vier Aktivisten genutzt wurde, um sich an ein Treppengeländer anzuketten. In einer der Nächte zuvor hatte die Polizei einige Teilnehmer des Klimacamps auf und in der unmittelbaren Nähe der Bahngleise angetroffen und diese Aufgrund des Verdachts des Manipulationsversuches an den Bahnschienen erkennungsdienstlich behandelt. Mehr als 500 Einsatzkräfte der Polizei waren während dieser Woche vor Ort. „Abschließend betrachtet verlief die Gesamtveranstaltung der Klimaaktivsten größtenteils friedlich“, resümierte Merle Neufeld, Sprecherin der Polizei abschließend.

Für viele St. Margarethener jedoch nicht friedlich genug, was dazu führte, dass in der Gemeindevertretung darüber abgestimmt wurde, ob den Umweltschützer von Free the Soil das Dolling Huus für die Veranstaltung im Januar überhaupt zur Verfügung gestellt werden sollte. Während sich jeweils vier Gemeindevertreter für und gegen die Bereitstellung der Veranstaltungsräume aussprachen enthielten sich zwei der Gemeindevertreter ihrer Stimme. Somit hat die Zusage, die Bürgermeister Volker Bolten der Organisation Free the Soil im Vorfeld gegeben hatte, Bestand.

„Es war nicht alles gut, was da abgelaufen ist, doch wir sollten die Chance eines Erfahrungs- und Meinungsaustausches nutzen und unsere Kritikpunkte zum Ausdruck bringen. Es gibt nichts Schlimmeres als übereinander statt miteinander zu reden“, lautet der Tenor der Befürworter der Veranstaltung im Januar. Die Gegner der Aktion argumentieren so: „Es hat keinen Zweck mit denen zu sprechen, da sie keine anderen als ihre eigenen Weltansichten zulassen. Wir dürfen nicht zum Pilgerort dieser Menschen werden, die sich mit ihren kriminellen Energien sogar in Videos im Internet rühmen.“