Vermischtes Wirtschaft

Gewerkschaft fordert zielführende politische Entscheidungen

Angesichts bereits getätigter oder geplanter Investitionen in Höhe von rund 600 Millionen sowie einer brutto Wertschöpfung von etwa 870 Millionen Euro scheint die Zukunft des Wirtschaftsstandort Brunsbüttel auf den ersten Blick für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Doch gänzlich in Sicherheit wiegen sollten sich die über 4000 Arbeitnehmer die mittelbar oder unmittelbaren in Schleswig-Holsteins größten Industriegebiet beschäftigt sind, nicht.

Dazu riet der Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Andreas Suß im Zuge der Mitgliederversammlung der Brunsbütteler IG BCE-Ortsgruppe. Seine Warnung begründete er mit politischen Entscheidungen von impulsiver, idiologischer und weniger überlegter, sachlich fundierter Strahlungskraft. „Wir können nicht so weitermachen wie bisher, wir können aber auch nicht einfach blind den Stecker ziehen“, richtete Suß mahnende Worte in Richtung der Politik, sich nicht von Hyp beeinflussen zu lassen, der um Umweltschutzbewegungen wie „Fridays for Future“ oder „Extinction Rebellion“ vorherrscht. Umweltschutz sei ein Thema, welches nicht nur national, sondern ebenfalls global behandelt werden müsse und ebenso weltumfassende Lösungen bedarf. Der Versuch, den Menschen zu suggerieren Deutschland könne allein eine Klimaveränderung herbeiführen, würde als eine der schlimmsten Nebenwirkungen einer Partei politische Hintertüren öffnen, die Erinnerungen an dunkle Zeiten unseres Landes hervorruft.

„Wir brauchen dringend eine Umwelt, Industrie-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik die nach echten, machbaren Lösungen sucht“, so Suß.

Beispielgebend für globale Zusammenhänge war der Bericht der stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden bei Sasol. „Uns wurde jetzt ein sehr straffes Sparprogramm auferlegt, das heißt unter anderen, dass es das Weihnachtsessen mit unseren ehemaligen Mitarbeitern in seiner gewohnten Form in diesem Jahr nicht geben wird“, berichtete Sabrina Schmidt. Grund für den Sparzwang seien die auf 12,9 Milliarden US-Doller gestiegenen Kosten für das Lake Charles Chemical Projekt in den USA. Diese hätten sich beinahe verdoppelt. Der Bau des Forschungszentrums am Brunsbüttel Standort verliefe ebenfalls nicht wie geplant.

Covestro-Betriebsratsvorstand Peter-Claudius Meyer begrüßte den erzielten Tarifabschluss: „Die Arbeitnehmer werden zunehmend finanziell belastet, daher sind wir froh über die Zusatzleistungen die ausgehandelt wurden, denn von einer Lohnerhöhung hätten die Beschäftigten ja am Ende angesichts der steuerlichen Abzüge nichts gehabt.“ Viele politische Entscheidungen seien in den zurückliegenden Monaten vor allem idiologischer Natur gewesen und hätten Sprengkraft, die der deutschen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen könnten. Negative Auswirkungen bekäme Covestro bereits zu spüren. Die Flaute in der Automobilindustrie hinterließe bei dem Kunststoffhersteller bereits deutliche Spuren. Wie sich die Energiepolitik und CO2-Bepreisung auf das Unternehmen auswirke müsse man abwarten. Unter Nutzung eines sehr Strom lastigen Verfahrens stellt das Unternehmen aus CO2 als Rohstoffe Matratzen für ein einen schwedischen Einrichtungskonzern her.

„Wir müssen künftig sehr innovativ sein und finanzielle Kraftanstrengungen unternehmen, um das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen“, sagte der Yara-Betriebsratsvorsitzende Lars Thormählen und unterstrich „CO2 -Zertifikate sind für uns ein riesen Ding, da wir CO2 für die Hahnstoffherstellung benötigen.“ Gewaltig sei zudem die Menge des täglich Gasbedarfs. Rund 90 000 Kubikmeter Gas werden pro Stunde in dem Brunsbütteler Yara-Werk benötigt und das an jeden einzelnen Tag eines gesamten Jahres. LNG sei anlässlich des immensen Gasbedarfs eine wichtige Brückentechnologie für das Unternehmen. Derzeit prüfe Yara die Möglichkeiten einer Unternehmensteilung und einen Börsengang mit der industriellen Stickstoffproduktions-Sparte.

Das Spezialchemie-Konzern Lanxess, dass erst kürzlich zwei Anlagenerweiterung erfolgreich abschließen konnte, entwickle derzeit eine neue Klima-Strategie zur Reduktion von CO2 Emissionen. Bis 2040 will das Unternehmen klimaneutral werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.