Wilster

Anwohner fordern festen Blitzer

Für Anwohner der Straßen Neustadt, Krumwehl und der Hans-Prox-Straße ist die vorherrschende Verkehrssituation nicht länger hinnehmbar. Neben rasenden Autofahrern sei es vor allem der zu schnell fahrende Schwerlastverkehr, der sowohl den Anwohner als auch den Gebäuden erheblich zusetzt. Bis zu 600 Fahrzeuge würden nach einer von Anwohnern durchgeführten Zählung, pro Stunde über die 1955 errichtete Schottbrücke fahren. An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer für Pkw und 20 Stundenkilometer für Fahrzeuge über 5,5 Tonnen hielte sich kaum jemand, zeigen sich die Anwohner verärgert.

Doch nicht nur der Verkehrslärm und die Geschwindigkeitsüberschreitungen an sich sind es, die an den Nerven der Anlieger zerren. „Wenn hier die Lkw und Erntefahrzeuge lang fahren, fängt mein ganzes Haus an zu wackeln“, schilderte Alfred Ernst die Situation. An zahlreichen Häusern sei es durch die Erdbewegungen bereits zu Rissbildungen gekommen. „Beschädigungen der Wände haben wir bereits mehrfach behoben“, äußerte Jörg Adler.

„In den zurückliegenden 30 Jahren habe ich über 41 Schreiben an die Stadt verfasst, in denen ich darum gebeten habe, eine Änderung der Situation herbeizuführen. Doch bislang hat sich eigentlich nichts geändert“, sagte Hans-Peter Micheel. Aus diesem Grund habe er keine andere Möglichkeit gesehen, als sich an die Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund zu wenden.

Gemeinsam mit Hans-Henning Kujath, Verbandsdirektor im Landesverband von Haus und Grund Schleswig-Holstein sowie dessen Kollegen Jan Flemming Nilges lud Hans-Peter Micheel am gestrigen Morgen sowohl die Anwohner der betroffenen Straßen als auch Bürgermeister Walter Schulz, Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck, Bauamtsleiter Roman Stöckmann sowie den Leiter der Polizeistation Wilster Polizeihauptkommissar Frank Peters und dessen Kollegen von der Polizeidirektion Itzehoe Polizeihauptkommissar Michael Raupach zu einem Ortstermin ein.

„Es ist Handlungsbedarf gegeben“, unterstrich Hans-Henning Kujath. Die Substanz der Gebäude würde in Mitleidenschaft gezogen werden, was nicht hinnehmbar sei. Ziel müsse es daher sein, einvernehmliche Lösungen zu finden, die die Situation der Anwohner deutlich verbessern, betonte der Rechtsbeistand der Anwohner. „Bislang haben wir davon abgesehen, teure Sachverständige hinzuzuziehen, die die Gebäude auf Beschädigungen untersuchen, die durch den Schwerlastverkehr entstanden sind“, so Kujath. Diesen Weg halte man sich jedoch noch weiter vor, sollte es zu keiner Lösung kommen.

 
Von Seiten der Stadt bezog zunächst Bauamtschef Roman Stöckmann Stellung. Ausführlich erläuterte er den Aufbau des Marschbodens, des Straßenbaukörpers und des Brückenbauwerks und erklärte wie es zu den Schwingungen im Boden kommt. Erst vor acht Jahren sei die Straße Krumwahl neu asphaltiert worden. Belagstechnisch befindet sich die Straße daher in einem sehr guten Zustand. Auch die Brücke habe bei der letzten Bauwerksprüfung mit einem guten Ergebnis abgeschnitten. Aus bautechnischer Sicht gäbe es derzeit keine Möglichkeiten, die Situation zu verändern. Wie in vielen Straßen der Marschenstadt würde auch hier der Marschenboden durch den Verkehr in Schwingungen versetzt werden. „Bodenschwellen oder ähnliche Maßnahmen würden die Situation eher noch verschärfen“, so Stöckmann. Bürgermeister Walter Schulz berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen in der Deichstraße. „Obwohl die Straße verkehrsberuhigt ist kommt es auch hier zu Schwingungen und Rissbildungen in den Bauwerken.“

Angesicht der fehlenden bautechnischen Möglichkeiten forderten die Anlieger die Errichtung eines stationären Blitzers. „Da die Verkehrsschilder keine Beachtung finden, sollte man es mal über die Geldbörsen der Autofahrer versuchten“, zeigten sich die Anwohner zuversichtlich, mit Hilfe des festen Blitzers die Verkehrsteilnehmer zu langsam fahren bewegen zu können.  „Wir können gerne einen stationären Blitzer bei der Verkehrsaufsicht beantragen“ sagte Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck, der Anwesenden im selben Atemzug jedoch aufforderte die Erwartungen nicht zu hoch zu setzen. Erfahrungsgemäß seien derartige Anträge in der Regel abgelehnt worden.