Wilster

Magamarsch- Sylt: Wilsteranerin testet ihre Leistungsgrenzen aus

„Es war ein wahnsinniges Erlebnis und großartige Erfahrung“, so das begeisterte Resümee von Nadin Hoyer. Ein zweites Mal würde sie an einer derartigen Veranstaltung dennoch nicht teilnehmen. Die 44-Jahre alte Altenpflegerin und zweifache Mutter aus Wilster war eine der 456 Teilnehmer des zweiten Sylter Megamarsches Ende Oktober. Ferner ist sie eine der 240 Läufer, die es am Ende auch tatsächlich bis ins Ziel geschafft haben.  

Bei der Vorbereitung wurde Nadin von ihren beiden Söhnen (13+15) und Eheman Thorsten unterstützt

Immer mehr Menschen sind darauf aus, ihre persönlichen physischen und psychischen Leitungsgrenzen zu erkunden. Eine der zahlreichen Möglichkeit dafür, ist die Teilnahme an einem Megamarsch. Innerhalb von 24 Stunden muss hierbei eine Wegstrecke von 100 Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden. Insgesamt 16 solcher Langstreckenläufe organisiert das Unternehmen hundert24 GmbH aus Mönchengladbach bundesweit. Weitere Läufe finden in Wien und auf Mallorca statt. Hunderte Bewerber hoffen Jahr für Jahr darauf, einen der begehrten Teilnehmerplätze ergattern zu können.

Die letzten 800 Meter vor dem Ziel legte Nadin einen Sprint hin.

„Man mag es kaum glaube, aber der Megamarsch auf Sylt ist in der Veranstaltungsserie der anspruchsvollste Lauf“, sagt Nadin Hoyer. Die Voraussetzungen, die die Bewerber für eine Teilnahme erfüllen müssen, sind hier besonders hoch. Zwar gilt es Höhentechnisch nur 46 Meter zu überwinden, dafür setzt das raue Wetter den Läufern gehörig zu. Angesichts der angekündigten Extremwetterlage hatten gut einhundert gelistete Läufer dann wohl auch kurzfristig kalte Füße bekommen und waren gar nicht erst an den Start gegangen.  

„Langanhaltender Starkregen und Sturmböen sorgten in der Tat für so etwas wie Endzeitstimmung“, erzählt die passionierte Freizeitsportlerin. Erst acht Wochen vor der Veranstaltung hatte sie die Zusage für die Teilnahme erhalten. Mit einem positiven Bescheid hatte sie gar nicht mehr gerechnet. Kurzfristig musste sie ihr Training von Sprints auf Langstreckenläufe umstellen. Mehrere Stunden am Tag marschierte sie durch die Wilstmarsch. Dabei möglichst nie schneller als die für den Wettbewerb vorgegebenen sechs Stundenkilometer.  „Am Ende der Vorbereitungszeit hatte ich weit über 700 Kilometer auf meinem Zähler“, sagt Nadin Hoyer. Den beiden Söhnen, als auch ihrem Mann waren die täglichen Trainingseinheiten zu unspektakulär. „Sie haben mich ein paar Mal begleitet, haben aber schnell die Lust daran verloren, weil es ihnen zu langweilig war, was ich durchaus verstehen kann“, so die leidenschaftliche Triathletin, der die Fußmärsche selbst auch zu monoton waren.

Das sie im Zuge des Megamarschs nicht an ihre körperlichen Grenzen stoßen werde, sondern die Veranstaltung vielmehr ihre mentale Stärke auf den Prüfstand stellen würde, kristallisierte sich bereits bei der Vorbereitung heraus. 21 Stunden war sie am Ende unterwegs. Die Schönheiten der Insel offenbarten sich ihr und den übrigen Läufern kaum. Das lag weniger an der Extremwetterlage, sondern viel mehr daran, dass sie die meiste Zeit bei absoluter Dunkelheit unterwegs waren. Weder Straßenlaternen noch Mondlicht leuchteten die Wegstrecke aus. Lediglich die eigene Kopflampe diente als Lichtquelle und Orientierungshilfe in der ansonsten stockfinsteren Nacht. „Über weite Teile der gänzlich ungeschützten Strecke hatte ich den Eindruck, als würde ich pausenlos auf ein Fernsehstörbild starren“, beschreibt Nadin Hoyer das monotone Bild von Regentropfen, die in der Finsternis vom Strahl der Stirnlampe erfasst vor dem Auge vorbeihuschten.

Zahlreiche Teilnehmer brachen den Lauf vorzeitig ab.

Über die Hälfte der Teilnehmer kamen mit den vorherrschenden Bedingungen nicht zurecht und mussten sich den Naturgewalten in Verbindung mit der Dunkelheit frühzeitig geschlagen geben. „Aufgeben war für mich gemäß unserem Familienmotto keine Option“, sagt sie lächelnd und ergänzt: „Bei meinen sportlichen Aktivitäten steht meine Gesundheit immer an erster Stelle, wenn ich an meine körperlichen Grenzen gestoßen wäre, hätte ich das Handtuch geschmissen.“ Erschrocken zeigt sich die examinierte Pflegekraft, wie viele der Teilnehmer mit Hilfe von Schmerzmitteln über ihre körperlichen Grenzen gegangen sind, um ins Ziel zu kommen. „Für mich persönlich ein absolutes No-Go.“

Eine erneute Teilnahme an einem Megamarsch kann sich Nadin Hoyer zurzeit nicht vorstellen. „Ich bleibe lieber beim Triathlon, das ist abwechslungsreicher“, sagt die 44-Jährige, die in ihrer Freizeit den Kindern an den Schulen in Wilster, den Laufsport näherbringt.

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