Wilstermarsch

Elbdeiche der Wilstermarsch in gutem Zustand

Herbstdeichschau zwischen dem Holstenreck beim Kraftwerk Brunsbüttel und dem Sperrwerk fällt positiv aus – Insgesamt ist der Elbdeich der Wilstermarsch trotz Mäuseplage in einem guten Unterhaltungszustand

Seit Jahrhunderten schützen sich die Menschen in der Wilstermarsch mit Deichen vor Sturmfluten. Sie zählen zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen vor Überflutungen. Welche Anstrengungen von Nöten sind, die Menschen hinter dem Deich bei einem drohenden Deichbruch zu evakuieren machte die groß angelegte Katastrophenschutzübung „Blanker Hans“ in der Elbgemeinde St. Margarethen im September deutlich. Rund 1500 Rettungskräfte aus mehreren Kreisen probten über fünf Stunden den Ernstfall.

Um die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer Übung ein Ernstfall wird, so gering wie nur möglich zu halten, sind Mitarbeiter des Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH) ganzjährig mit der Pflege des Hochwasserschutzwalls beschäftigt.

Zwei Mal im Jahr lädt der in Husum ansässige Landesbetrieb zahlreiche Vertreter der in einem Katastrophenfall involvierten Behörden, Verbände und Institutionen zur gemeinsamen Deichschau auf die Deiche. Dabei sammeln die Teilnehmer nicht nur eigene Eindrücke vom Zustand des Schutzbauwerkes, sondern nehmen auch die örtlichen Gegebenheiten wie beispielsweise unmittelbare Zufahrtsstraßen in Augenschein und betreiben wichtige Kontaktpflege.

Bei der gestrigen routinemäßigen Herbst-Kontrolle  der Deiche entlang des rund 17 Kilometer langen Abschnitts der Wilstermarsch, kam die Kommission zu dem einstimmigen Ergebnis: „Die Deiche befinden sich in einem guten, wehrhaften Unterhaltungszustand.“

Erfolgreich verhindert wurde das Wachstum und die Ausbreitung der Distel. Da Schafe, die mit Dornen versehene Pflanze nicht mögen und die Verbreitungsfläche der Pflanze weiträumig umgehen, wird in diesen Bereichen der Boden nicht wie an den übrigen Stellen verdichtet. Somit ist die stachelige Pflanze am Deich kein gern gesehener Gast. Sorge bereitete den LKN-Mitarbeitern in diesem Jahr die starke Population der Wühlmäuse. Fiel das Aufkommen der kleinen Nager im Frühjahr noch sehr gering aus, trugen die trockenen Sommermonate zur schnellen Vermehrung des kleinen Nagers bei. Diese buddeln nicht nur Löcher in die Deiche, sondern beschädigen auch die Grasnarbe. „Die Mäuse haben sich so stark vermehrt, dass wir mit Giftködern gezielt gegen die Tiere vorgehen mussten“, erklärte Siegfried Bornholdt, Baubetriebsleiter der LKN-Außenstelle Itzehoe.

„Das Thema Wolf ist bei den Schäfern, die ihre Tiere auf unseren Deichen laufen haben, glücklicherweise noch nicht angekommen“, zeigte sich Oberdeichgraf Klaus-Peter Krey erleichtert. Sorgen um den Verlust der tierischen Küstenschutzhelfer macht sich daher auch das Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein derzeit nicht.

Als positiv wertete Krey den Bau der rund 24 Hektar großen Unterwasserablagerungsfläche in Höhe der Gemeinde Brokdorf für die Sicherheit des Elbdeiches in diesem Bereich. Etwa 670 000 Kubikmeter anfallendes Baggermaterial aus der Verbreiterung und Vertiefung der Elbe sollen hier eingebracht werden. Ob es durch den veränderten Tidenhub und der veränderten Fließgeschwindigkeit der Elbe, bei Extremwetterlagen zu Problemen bei der Entwässerung der tiefer gelegenen Ländereien der Wilstermarsch kommen könnte, gelte es zu beobachten.