Neuendorf-Sachsenbande Wilstermarsch

Photovoltaik statt Windmühlen

Erste Hürde genommen – Gemeindevertretung spricht sich mehrheitlich für den Bau einer Freiflächenphotovoltaikanlage aus. Auf einer rund 14 Hektar großen Freifläche entlang der Bahnstrecke zwischen Itzehoe und Heide in Höhe der Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande Ortsteil Hackeboe soll die Anlage entstehen. Läuft es nach den Plänen des Betreibers Newrizon, könnte diese bereits im Sommer des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden.

Vor rund drei Jahren präsentierte das Schweriner Unternehmen Newrizon in Neuendorf-Sachsenbande die Pläne für den Bau eines Bürger-Windparks mit bis zu 25 neuen Windkraftanlagen in der Wilstermarsch. Auch in der Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande sollte fünf 3.3 Megawatt-Windenergieanlagen entstehen. Gegen das Vorhaben formierte sich massiver Widerstand. Zahlreiche Anwohner sprachen sich gegen die Windkraftanlagen aus. Zur Umsetzung kam das Projekt seinerzeit nicht.

Nun hat sich das Energieunternehmen erneut, wenn auch mit einem anderen Vorhaben jedoch in ähnlicher Form an die Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande gewandt. Entlang der Bahnstrecke Itzehoe-Heide beabsichtigt dieses auf einer etwa 14 Hektar umfassenden Freifläche im Ortsteil Hackeboe die Errichtung einer Freiflächenphotovoltaikanlage. Die Anlage, mit einer kalkulierten Betriebszeit von bis zu 30 Jahren, soll über eine Leistung von zehn Megawatt Peak (MWp) verfügen. Der produzierte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und entsprechend des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vergütet. Wie schon bei dem Windpark ist auch hier eine Beteiligung der Bürger sowie die Gründung eines „Newrizon Stiftungsverein Neuendorf-Sachsenbande e.V.“  vorgesehen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass 90 Prozent des jährlichen Stromvermarktungsgewinns im Bereich der Gemeinde verbleibt.

Da der Bau der Windkraftanlagen seinerzeit mehrheitlich abgelehnt wurde, sollte der Ausschuss nun erst einmal grundsätzlich entscheiden, ob dieser das Vorhaben „Freiflächenphotovoltaikanlage“ positiv begleiten will oder nicht.

„Eine solche Photovoltaikanlage ist deutlich einfacher zu ertragen als eine Windkraftanlage“, sprach sich Bürgermeister Jens Tiedemann für das Vorhaben aus. Fünf weitere Gemeindevertreter taten es ihm gleich. Während zwei Kommunalpolitiker aufgrund von Befangenheit an der Abstimmung nicht teilnehmen durften votierte alleinig Marco Bernardi gegen das Vorhaben. „Ich habe die Befürchtung, dass das Unternehmen auf diese Weise versucht einen Fuß in die Gemeinde zu setzen, um durch die Hintertür doch noch Windmühlen bauen zu können“, zeigte sich Bernardi skeptisch.

Wenn dem Unternehmen das Wohl der Bürger wirklich wichtig sei, bestünde auch die Möglichkeit, Dachflächen für die Photovoltaik anzumieten. „Nach meiner Auffassung macht sich die Gemeinde strafbar, wenn sie diese Form des Kupplungsgeschäft eingeht“, mahnte Bernardi und kündigte an, sich über die Rechtlage informieren zu wollen.