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W:O:Art als Druckvorlage / Radierseminar mit Jens Rusch

Brunsbüttel - Seit einigen Jahren treffen sich Kunstschaffende aus ganz Deutschland einmal im Jahr für eine Woche in den Werkstätten von Jens Rusch, um sich von dem Brunsbütteler Künstler in die Techniken des Radierens einführen zu lassen. „Diese Art des grafischen Tiefdruckverfahrens wird bereits seit dem Mittelalter praktiziert, zählt jedoch inzwischen zu den aussterbenden Künsten“, bedauert Rusch. Um den Untergang, einer der wohl vielseitigsten künstlerischen Drucktechniken, noch längstmöglich hinauszuzögern, gibt der mehrfach ausgezeichnete Meister-Radierer sein fundiertes Fachwissen gerne und umfangreich weiter. Neben zahlreichen Seminaren in den Brunsbütteler Kupfertiefdruckwerkstätten und im Künstlerhaus auf der Insel Spiekeroog besuchte der 63-Jährige als Gast-Dozent unter anderem die Miguel Hernández Universität Campus Altea in Spanien.   Für den diesjährigen Kurs haben sich die Seminarteilnehmer, die mittlerweile eine feste Gruppe bilden, einheitlich darauf geeinigt, verschiedene Motive des Wacken Open Air (W:O:A) auf die Kupferdruckplatte zu übertragen. Dabei orientierten sie sich an den Werken des Künstlers aus der Schleusenstadt, die nicht nur in der Galerie Rusch, sondern auch im Zuge des weltweit größten Heavy-Metal-Festivals im W:O:Art-Zelt auf dem Holy Ground im Bereich des Wacken Foundation Camp ausgestellt wurden.   „Ich habe gleich beim ersten Hinsehen gewusst, dass dies mein Motiv ist“, sagt Ingeborg Kirstein. Die 65 Jahre alte Wolfsburgerin, die seit Jahren in regelmäßigen Abständen mit blinden Menschen zusammenkommt, wurde bei der Sichtung der Wacken-Kunstwerke auf das Blind-Guardian-Gemälde aufmerksam. Darauf zu sehen: drei blinde Festivalbesucher mit Blind-Guardian T-Shirts, vor einer Blind Guardian Bühnen-Szenerie. „Für meine Radierung habe ich diese Szene mit Bekannten nachgestellt. Die waren ganz aufgeregt, als wir das Foto für die Vorlage gemacht haben“, erzählt Ingeborg Kirstein und sagt weiter „Leider werden sie das fertige Ergebnis nie sehen können, denn auch sie sind wie die drei Festivalbesucher blind.“ Die künstlerische Darstellung der finnischen Musikgrippe Apocalyptica, die auf Violoncellos bekannte Metal-Stücke interpretieren, inspirierte hingegen Ina Fenske. Als musikbegeistert bezeichnet sich die 55-jährige Künstlerin, die in den weichen Farbübergängen des Ölgemäldes eine besondere Herausforderung sieht. „Diese Verläufe auf die Kupferplatte zu übertragen ist gar nicht einfach“, so die Lübeckerin. Denn bei der Fertigung einer Radierung muss nicht nur spiegelverkehrt, sondern auch im Farbnegativ gedacht werden. Zudem müssen die unterschiedlichen Ätzzeiten für die verschiedenen Farbtöne berechnet werden. „Ob mir mein Vorhaben gelungen ist, werde ich erst am Ende sehen, wenn ich den ersten Druck fertige“, zeigt sich Ina Fenske gespannt. Froh, nach einigen gescheiterten Anmeldeversuchen aufgrund hoher Nachfrage doch noch einen festen Platz in den begehrten Radier-Kursen ergattert zu haben, zeigt sich Jürgen Wenzel. Der 53-jährige Unternehmer aus dem brandenburgischen Rehfelde suchte und fand die Herausforderung in der Darstellung der Norddeutschen Walpurgisnacht von Jens Rusch. „Ich habe mich strikt an dem Originalbild orientiert und versucht die filigranen Details des Gemäldes bestmöglichst zu erhalten und zu übertragen“, so Wenzel. Noch bis Freitagabend ist die Gruppe in den Räumen der Galerie Rusch aktiv. Von 15 bis 18 Uhr können Interessierte im Rahmen einer kleinen Ausstellung die fertiggestellten Werke besichtigen oder den Kursteilnehmern bei der Arbeit über die Schultern schauen. Weitere Informationen unter www.jens-rusch.de   Fotos:   01: Freuen sich darüber, dass Jens Rusch sein Wissen teilt und mit Rat und Tat zur Seite steht: Ingeborg Kirstein und Doris Bronold aus Wolfsburg   02: Marlene Neumann (62) reiste eigens für den Radier-Kurs aus dem 900 Kilometer entfernten Reutlingen an.   03: Hilfreiche Tipps für den perfekten Farbübergang holte sich Ina Fenske bei dem Meister-Radierer Jens Rusch   04: Jürgen Wenzel brachte Ruschs Norddeutsche Walpurgisnacht auf die Kupferdruckplatte.   05: Jens Rusch vor seinem W:O:Art Werken mit dem Titel „Lautester Balplatz der Welt“
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