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Verzögerungen beim Bau der 5. Schleusenkammer

01.12.2015 Im April dieses Jahres wurde in Brunsbüttel mit dem Bau der fünften Schleusenkammer begonnen. Gerade einmal acht Monaten sind seither vergangen und schon sind die Arbeiten um das rund 540 Millionen teure Projekt ins Stocken geraten. Schwierigkeiten bei der Suche nach gefährlichen Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg, sowie technische Probleme bei der Gründung des neuen Bauwerks sorgen für eine zeitliche Verzögerung im Bauablauf. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin soll die Schleuse erst 2021 und somit ein Jahr später fertig werden als geplant.
Anlass zur Panikmache sehen die Chefin des Wasser und Schifffahrtsamtes (WSA) Brunsbüttel, Gesa Völkl und Projektleiter, Fritz-Peter Eißfeldt aufgrund des bisherigen Verzugs nicht. „Es gibt keinen Grund von einer Freigabe der Schleusenkammer 2020 abzuweichen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass 2020 das erste Schiff die neue große Kammer passieren wird“, betonten die Leiterin des WSA in Brunsbüttel und der leitende Bauingenieur einhellig gegenüber rund 150 Gästen. Diese hatten sich am Freitagabend zu einer vom Brunsbütteler WSA geladenen Informationsveranstaltung in der Sporthalle-Süd versammelt.
Bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung seien aufkommende Herausforderungen nichts Ungewöhnliches. Zwar äußerte Völkl, das auch ihr die Umsetzung der geplanten Abschnitte zu lange dauern und sie der zeitliche Verzug unzufrieden stimmen würde. Als ernst zu nehmende Schwierigkeiten wollte die Leiterin des WSA Brunsbüttel die Ursachen, die zur Verzögerung geführt haben jedoch nicht bezeichnen. Ferner könne von einem Stillstand auf der größten Wasserbaustelle Europas nicht die Rede sein. „Eine solche Baustelle ist eine ganz große Herausforderung. Sowohl wir als auch die Baufirmen müssen ganz viele Dinge neue erfinden, neu kreieren und gemeinsam umsetzen. Das ist nicht ganz einfach bei einer solchen Maßnahme“, sagte Völkl. Die in den Ausschreibungen vorgegebenen Bauleistungen seien grobe Richtlinien. Bei Bauvorhaben dieser Größenordnung müsse mit den beauftragten Unternehmen letztendlich vor Ort gemeinschaftlich geklärt werden, wie sich die Maßnahmen im Detail umsetzen lassen.
Die bislang verloren gegangene Zeit, würde bei einem Bauvorhaben, das sich über sieben Jahre erstreckt, nicht automatisch zu einer verspäteten Freigabe der Schleusenkammer für den Schiffsverkehr führen.
„Das mit dem Bau der Schleusenkammerwände beauftragte Unternehmen hat uns Vorschläge für die Fertigung der Baukörper unterbreitet, die nicht nur besser sind, sondern sich auch deutlich schneller umsetzen lassen“, nannte Bauingenieur Fritz-Peter Eißfeldt eine Möglichkeit, den bislang entstandenen Zeitverzug wieder aufzuholen. Statische Berechnungen sowie andere notwendige Prüfungen werden derzeit durchgeführt. Eine Aufnahme der Arbeiten soll somit demnächst erfolgen.
Eine alternative Möglichkeit gäbe es zudem für den Abtransport des Bodenaushubs. Dieser soll eigentlich über eine Anlegestelle erfolgen, die aufgrund von Verzögerungen bei der Beseitigung potenzieller Kampfmittel im bis zu 14 Meter tiefen Erdreich, bislang noch nicht errichtet werden konnte. „Wir haben die Möglichkeit, die Bodentransporte über die kleinere Nord-Schleusenkammer abzuwickeln“, erklärte Völkl. Dieser Weg ist möglich, da in zwei Wochen beide großen Schleusenkammern wieder für den Schiffsverkehr zur Verfügung stehen werden. Nach einer Havarie musste eine, der zwei großen Schleusenkammern wegen Reparatur- und Sanierungsarbeiten über einige Monate geschlossen werden. Nicht ohne Folgen für die Region. Wartezeiten von sechs bis acht Stunden für die einzelnen Schiffe, zusätzlich zum eigentlichen Kanaltransit durch den Nord-Ostseekanal veranlassten viele Reedereien, ihre Schiffe den Umweg über Skagen fahren zu lassen. Die Route ist zwar deutlich länger, rechne sich wirtschaftlich aufgrund der langen Wartezeiten in Brunsbüttel für einige Reedereien am Ende jedoch. Die Brunsbütteler Lotsenbrüderschaft ist in Sorge. Wenn bereits die Untersuchung eines verhältnismäßig kleinen Areals auf Munitionsfreiheit sowie der Bau eines einfachen Steges ein Problem darstellt und zu einer zeitlichen Verzögerung führt, dann werde es im Zuge der weiteren Baumaßnahmen noch wesentlich größere Probleme geben und eine Freigabe der fünften Schleusenkammer 2020 immer unwahrscheinlicher.

 

Fritz Peter Eißfeldt

Fritz Peter Eißfeldt

Gesa Völkl

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