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Ohne Frauen geht es nicht!

30.03.2016 - Es ist kurz vor 18 Uhr als die digitalen Funkmeldeempfänger der ehrenamtlichen Brandbekämpfer in der Schleusenstadt auslösen. Über die Rettungsleitstelle wird die Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel über einen Brand im Standort-Zwischenlager auf dem Gelände des Brunsbütteler Kernkraftwerks der Firma Vattenfall informiert. Die Alarmierung trägt den Zusatz „Menschenleben in Gefahr“. Für die Einsatzkräfte heißt dies, dass sie damit zu rechnen haben, dass sich eine oder mehrere Personen unmittelbar im Gebäude befinden. Es heißt aber auch, dass die Anspannung unter den Feuerwehrleuten steigt. Unter den etwa 20 ehrenamtlichen Einsatzkräften der ausrückenden Ortsfeuerwehr befindet sich auch Sandra Harder. Die 22-jährige Altenpflegerin ist eine von vier Frauen, die sich in der Freiwilligen Feuerwehr der Schleusenstadt engagieren. Die restlichten 56 aktiven Mitglieder sind Männer. Glücklicherweise handelt es sich bei der Alarmierung lediglich um eine Übung. Doch davon erfahren die Einsatzkräfte erst von ihren Kollegen der Werkfeuerwehr unmittelbar vor Ort, die sich an der Übung beteiligen.  Nach der Information löst sich die Anspannung bei den Brandbekämpfern etwas und doch bleiben sie konzentriert. Alle wissen um die Bedeutung von Übungen und wie wichtig es ist, das Zusammenspiel hier zu festigen, damit es auch unter Einsatzbedingungen funktioniert. Sandra Harder bezieht gemeinsam mit ihrem erfahrenen Kollegen Arno Landau Stellung. Die beiden Atemschutzgeräteträger sind heute als Sicherheitstrupp eingeteilt. Das heißt, dass zunächst andere Atemschutzgeräteträger in das verqualmte Gebäude eindringen und sie nur bei Bedarf aktiv werden müssen. Im Zuge einer realen Einsatzlage hätten die Kollegen Sandra Harder ihr eigenes Leben anvertraut. Denn als Sicherheitstrupp wird man nicht nur aktiv, wenn sich der Füllstand der Sauerstoffflachen anderer Atemschutzgeräteträger der kritischen Marke zuneigt, sondern auch wenn ein Atemschutzgeräteträger selber in eine Notlage gerät. In der Freiwilligen Feuerwehr der Schleusenstadt spielt das Geschlecht keine Rolle. Hier hilft jeder jedem, egal ob Mann oder Frau. Gedanken machen sich hierüber Menschen die nicht in der Feuerwehr sind. „Was zählt sind Leistung, Kompetenz sowie innere Stärke und nicht dicke Arme“, sagt Sandra Harder. Eine Sonderbehandlung erhält sie aufgrund ihres Geschlechts nicht und das will sie auch gar nicht.  „Für mich stand von Anfang an fest, dass wenn ich in die Feuerwehr gehe, ich auch die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger (AGT) absolviere“, so die Oberfeuerwehrfrau, die durch ihren Bruder Mike (26) über einen Tag der offenen Tür an die Wehr herangeführt wurde, der sie seit nun mehr als sechs Jahren angehört. „Die Feuerwehr bietet vielseitige Möglichkeiten wie man sich einbringen kann. Ich denke da ist für jeden etwas dabei. Mir persönlich war es wichtig, dass ich auch etwas Action habe, daher mein Entschluss für den Zusatzlehrgang zum AGT“, sagt Sandra Harder. Action, die sich weniger auf die Einsätze bezieht, als vielmehr auf die Dienstabende und weitere Übungseinheiten. Als Atemschutzgeräteträger muss man körperlich fit sein, wiegt alleine die komplett angelegte Ausrüstung rund 25 Kilogramm. Das wirken mit einer Atemschutzmaske vor dem Gesicht stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. „Die Ausbildung hat mir geholfen mich selber besser einschätzen zu können, wenn es um meine körperliche Belastungsgrenze geht. Ich würde auch sagen, dass ich an Selbstbewusstsein gewonnen habe“, so Sandra Harder. Das aus dem gesunden Selbstbewusstsein keine Selbstüberschätzung wird, darauf achten die Feuerwehrkameraden schon aus Eigeninteresse. „Der Zusammenhalt in dieser Wehr ist wirklich klasse. Natürlich bilden sich auch hier kleinere Gruppe, die sich auch abseits des Feuerwehrdienstes treffen, aber wenn es darauf ankommt sind wir ein Team“, betont die leidenschaftliche Feuerwehrfrau. Auch dank ihres Arbeitgebers, der selber in der Feuerwehr aktiv ist, und Sandra Harder wenn möglich für Einsätze vom Dienst freistellt, hat die  22-Jährige bereits eine  Menge Einsatzerfahrungen sammeln können. „Glücklicherweise waren bei den Einsätzen an denen ich beteiligt war nie ernsthaft Menschenleben in Gefahr“, sagt die junge Feuerwehrfrau. Und doch stellt sie sich darauf ein, dass auch solch eine Situation mal auf sie zukommen könnte. Angst macht es ihr nicht, denn auch in dieser Situation wäre sie nicht alleine, sondern hätte ein starkes Team und auch lebenserfahrene Kollegen an ihrer Seite. Beim Löwenanteil der Einsätze handelte es sich um technische Hilfeleistungen, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder nach Unwetterlagen. Brände seien eher selten dabei gewesen. „Ich verstehe nicht, warum sich nicht mehr Frauen in den Feuerwehren engagieren“, so Sandra Harder. Der zeitliche Aufwand ist deutlich geringer als die meisten Menschen meinen, verrät sie. Die Dienstabende finden im 14-tägigen Turnus statt. Alle zwei Monate kommt noch mal ein extra Dienstabend der Löschgruppe hinzu, der sie angehört. „Es gibt ein paar Grundlehrgänge die man mitmachen muss. Anschließend hat man es ja selber in der Hand, wie weit man sich in der Feuerwehr einbringen möchte“, so Sandra Harder. Neben der Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin hat sie sich dafür entschieden einen Funklehrgang sowie Zusatzausbildung in Technischer Hilfe, Erste Hilfe sowie die Truppführerausbildung zu absolvieren. Das hat schon ein paar Wochenende in Anspruch genommen. Doch ihr haben diese Lehrgänge auch viel Spaß gebracht. „Wenn man erst einmal dabei ist und auf den Geschmack gekommen ist, dann möchte man ganz automatisch hier und da sein Wissen noch vertiefen.“ In Schleswig-Holstein gibt es 1371 Freiwillige Feuerwehren mit 48211 Mitgliedern. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, sind gerade einmal 3836 davon weiblich. Bundesweit laufen Bemühungen das Engagement von Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren zu verstärken. Sowohl der demografische Wandel, als auch die Tagesverfügbarkeit bereiten den Feuerwehren Sorgen. Frauen werden somit auch für in der vermeintlichen Männerdomäne „Feuerwehr“ immer wichtiger.   Frau04 Frau05 Frau06 Frau01 Frau02
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