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Mini-Referendariat führt 23-jährige Estländerin in die Schleusenstadt Brunsbüttel

  Brunsbüttel 15.02.2015 - Über 1800 Kilometer legte Marika Peekmann vom nördlichsten Land des Baltikums zurück, um vier Wochen in der Schleusenstadt beziehungsweise am Brunsbütteler Gymnasium zu verbringen. Die 23-jährige Estländerin und Lehramtsanwärterin der Germanistik ist Teilnehmerin des von der Deutschen Auslandsgesellschaft im Auftrag des Auswärtigen Amtes durchgeführten Projekts “Mini-Referendariat“. Seit 2008 verfolgt das Projekt das Ziel, das Vermitteln der deutschen Sprache im europäischen Ausland insbesondere in Nord- und Osteuropa wieder zu stärken. „Seit der zweiten Klasse lerne ich die deutsche Sprache“, sagt Marika Peekmann. Sowohl sie als auch ihre Geschwister besuchten auf Wunsch der Eltern ein deutsches Gymnasium in Estlands zweitgrößter Stadt Tartu. Die enge Verbundenheit ihrer Eltern zu Deutschland sei insbesondere nach der zweimaligen Besetzung des Landes durch Deutschland im Zuge der beiden Weltkriege und der späteren Entwicklung Estlands bei Weitem nicht selbstverständlich, so die Germanistik-Studentin. Die meisten Eltern seien zunehmend daran interessiert, dass ihren Kindern die englische Sprache in Wort und Schrift vermittelt werde. „Mein Wunsch ist es jedoch, Deutsch und Französisch zu lehren“, so die 23-Jährige, die im Sommer 2016 ihr Studium beenden wird. Erste Erfahrungen im Unterrichten von Schülern sammelt Marika Peekmann derzeit an der Seite von Viktoria Kleineberg am Brunsbütteler Gymnasium. Die Lehrerin, die neben Deutsch ebenfalls die Fächer Sport und Philosophie an der weiterführenden Schule in der Schleusenstadt unterrichtet, bot sich Marika Peekmann nicht nur als begleitende Ratgeberin vor Ort an. Für die Zeit ihres Aufenthalts stellt sie der Estländerin auch eine Unterkunft bei sich zur Verfügung. „Dadurch, dass wir zusammenwohnen, haben wir die Möglichkeit an den Nachmittagen den Unterricht gemeinsam vorzubereiten und noch etwas tiefer in die Materien einzusteigen“, erzählt Viktoria Kleineberg. Die Ausbildung angehender Lehrer sei in Deutschland sehr praxisorientiert. In Estland würden die Lehrer erst nach ihrem Universitätsabschluss und den Berufseinstieg mit Schülern in Kontakt kommen, stellte Marika Peekmann einen gravierenden Unterschied fest. Während die Schüler in Deutschland animiert werden, den Unterricht aktiv mitzugestalten, würden die meisten Lehrer in Estland noch die frontale Unterrichtsform bevorzugen. Ein Umdenken sei diesbezüglich jedoch bei den jüngeren Lehrern zu merken, betonte Peekmann. Überrascht zeigte sich die 23-Jährige über den verhältnismäßig rückständigen Einsatz moderner Medien an deutschen Schulen. „In Estland haben wir fast überall freien und kostenlosen Zugang ins Internet. Überall gibt es WLAN-Hotspots, in die man sich kostenfrei einwählen kann und auch die Nutzung moderner Medien gehört an den Schulen zum Alltag“, sagt Marika Peekmann. Besonders stolz sei man in ihrem Land, in dem freies Internet den Bürgern per Gesetz garantiert wird darauf, dass drei der fünf Erfinder der kostenlosen IP-Telefonie-Software “Skype“ Esten sind. Im Rahmen des Unterrichts bot sich Oberschülern die Möglichkeit, der angehenden Lehrerin einige Fragen zu stellen. Dabei zeigten sich diese besonders überrascht darüber, dass Lehrer in Estland gerade mal 800 Euro brutto im Monat verdienen. „Wer bei uns Lehrer wird, wird dies aus voller Überzeugung und sicher nicht des Geldes wegen“, so Peekmann. Überaus beeindruckt zeigte sich Schulleiter Hans-Walter Thee von der angehenden Lehrerin. Ihr Engagement und der Besuch der Brunsbütteler Schule sei ein schönes Beispiel für ein offenes und zusammenwachsendes Europa, unterstrich Thee. Die Schulpatenschaften zu Bildungseinrichtungen in Dänemark, Frankreich und der Tschechischen Republik, sowie der Besuch von Austauschschülern aus Taiwan, Ungarn, Kolumbien und weiteren Ländern verdeutliche darüber hinaus, wie klein die Welt mittlerweile geworden sei.   Foto: v.li. Marika Peekmann und Viktoria Kleineberg
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