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Diskussionen um die Plate-Villa

Brunsbüttel 05.12.2016 - Seit Jahren die gleiche Situation: Für die einen ist die Plate-Villa an der Koogstraße 108 ein städtebauliches Sahnestück, für die anderen ein baufälliges Haus, das sich die Stadt keinesfalls ans Bein binden dürfe. Das wird sich augenscheinlich so schnell auch nicht ändern. Zu einer Entscheidung über die Nachnutzung des seit 2004 leerstehenden roten Backsteinhaus konnte sich die Ratsversammlung am Mittwochabend nicht durchringen. Nach einem leidenschaftlichen Meinungsaustausch wurde abgestimmt, jedoch nicht über den ursprünglichen Beschluss, sondern darüber, ob dieses Thema zur erneuten Beratung in den Bauausschuss zurückgegeben werden soll. Während sich fünf Ratsmitglieder gegen eine erneute Beratung aussprachen und eine sofortige Entscheidung bezüglich der Nachnutzung forderten, votierten elf Ratsmitglieder für weitere Gespräche über einen möglichen Ankauf und Nutzung des Gebäudes. Um etwas mehr Klarheit über mögliche Kosten zu erhalten, die bei einem Kauf inklusive der notwendigen Modernisierung des Gebäudes, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Fördermöglichkeiten auf die Stadt zukämen, hatte die Verwaltung von der Ratsversammlung den Auftrag erhalten, verschiedene Berechnungsmodelle zu erstellen. Dabei erwies sich ein Zwischenerwerbsmodell für die Verwaltung als besonders geeignet. Diese sieht den Erwerb der Liegenschaft des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) für einen Kaufpreis von 200.000 Euro vor. Eine Modernisierung des Gebäudes wurde mit 700.000 Euro veranschlagt. Bei einem Veräußerungserlös in Höhe von kalkulierten 600.000 Euro und einer 2/3 Förderung sähe sich die Stadt am Ende einer Ausgabe von 100.000 Euro gegenübergestellt. Für dieses Geld könnte das historische Gebäude zum einen erhalten werden, zum anderen hätte die Stadt unmittelbaren Einfluss auf die Art der Nutzung, so der Gedanke hinter dem Konzept. Ein weiterer Entwurf sieht neben den Kauf des Gebäudes, die Einrichtung einer Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtung (GBF) unter der Trägerschaft der Stadt vor. Angedacht ist, in den 314 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten ein Schifffahrtsmuseum zu eröffnen und dieses samt des 1400 Quadratmeter großen Grundstückes, in ein umfangreiches Schleusenerlebniszentrum zu integrieren. Eine Idee, mit der sich die Stadt bereit im vergangenen Jahr für EU-Fördermittel im Rahmen des Programms Integrierte Territoriale Investition (ITI) beworben hat. Die geschätzten Kosten für die Stadt lägen abzüglich der Fördergelder bei 1.366.667 Euro. „Eindeutig zu viel“, waren sich die Ratsversammlung angesichts eines Haushaltsdefizits in Höhe von über zehn Millionen Euro in diesem Punkt einig.  Aber auch der deutlich geringere Betrag aus dem Zwischenerwerbsmodell war so manch einem Ratsmitglied angesichts des massiven Fehlbetrags in der Stadtkasse am Ende noch zu hoch. „Ich stelle den Antrag, dass die Stadt Brunsbüttel von ihrem Vorkaufsrecht zurücktritt und der BIMA damit den Weg ebnet, das Haus meistbietend verkaufen zu können“, bezog Ratsherr Wilhelm Malerius (SPD) Stellung. Rückenstärkung erhielt er unter anderen von Christian Barz. „Die Stadt würde ein großes Risiko tragen. Auf dieses finanzielle Abenteuer sollten wir uns nicht einlassen“, so der Ratsherr der Grünen. Ins selbe Horn stieß ebenfalls Bettina Jebens. „Das Mitspracherecht bei der Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes würde nicht bei der Stadt, sondern bei der oberen Denkmalschutzbehörde in Kiel liegen. Wer weiß denn, in welche Höhe die Behörde die Kosten für die Sanierung treibt“, zweifelte die FDP-Ratsfrau den Städtischen Anteil von 100 000 Euro an und warnte vor einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko für die Stadt. „Als Privatperson baut man häufig günstiger, als es die öffentliche Hand kann“, ergänzte sie.  „Ich kann den Schritt so nicht gehen. Es gibt viele Argumente die für einen Kauf sprechen aber die Stadt steht wirtschaftliche mit dem Rücken an der Wand, wir können uns das nicht leisten“, unterstrich Andreas Wohlert (CDU). „Wir haben eine Chance, mit relativen Mitteln etwas zu beeinflussen. Nutzen sie diese Chance, bitte stimmen sie für den Erwerb des Hauses“, appellierte Bauamtsleiterin Astrid Gasse an die Ratsversammlung.  Ratsherr Michael Kunkowski (CDU) sprach sich dafür aus, die Villa zu erwerben um Spekulanten gar nicht erst die Türen zu öffnen. Zudem hätte sie Stadt die Möglichkeit nach Investoren suchen, die im Interesse der Stadt handeln. Das von einem Investor vorgeschlagene Modell eines Fahrradhotels fand bei dem Fraktionsvorsitzenden der Christdemokraten Peter Hollmann als auch bei SPD-Ratsfrau Sabine Mewes Anklang. Jedoch müsse genauer untersucht werden, ob sich dieses Projekt in dem Gebäude realisieren ließe. Ein Lärmgutachten, das Aufgrund der Idee von Ratsherr Heinz Zindler (Graue Panther) dort eine Jugendherberge zu errichte gefertigt wurde, stufte diesen Bereich vor zwei Jahren noch als ungeeignet für solch ein Vorhaben ein. Um eine Chancenbewertung vornehmen zu können und weitere Nutzungsmöglichkeiten zu erörtern stellte Michael Kunkowski den Antrag, das Thema zurück an den Bauausschuss zu geben. Mehrheitlich folgten die Ratsmitglieder diesem Beschlussvorschlag.    
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