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Chemie Fabrik Brunsbüttel schließt seine Tore

Brunsbüttel 31.03.2015 – In der Brunsbütteler Farbenfabrik CFB sind nun endgültig die Lichter aus. Bereits zu Beginn des Jahres hatte die Geschäftsführung der Chemischen Fabrik Brunsbüttel (CFB), mit dem 31. März den unumstößlichen Termin für die unwiderrufliche Schließung des Werkes im Bayer Industriepark bekanntgeben. Nach einer wechselhaften Geschichte und intensiven Bemühungen, das Werk und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten, haben nun auch die letzten 29 der einst rund 130 Mitarbeiter ihre Jobs verloren.

 

Zum Abschied kamen die übrig gebliebenen Mitarbeiter und zahlreiche ehemalige Kollegen, noch ein letztes Mal in privater Runde, Abseits der Öffentlichkeit auf dem Firmengelände zusammen.

„Ich möchte noch einmal meine alten Kollegen treffen und die Gelegenheit nutzen, mich von ihnen zu verabschieden“, sagte Marco Mehrens. Über 19 Jahre war er in dem Werk tätig. Er zählt zu jenen Mitarbeitern, die bei der letzten Entlassungswelle ihren Job verloren. „Ich hatte das Glück, das ich übergangslos bei dem Chemieunternehmen Sasol eine Anstellung gefunden habe. Dennoch kann ich durchaus nachempfinden, was in den 29 Kollegen vor sich geht, für die es heute der letzte Tag ist“, so Mehrens.

Ebenfalls gekommen, um seinen ehemaligen Kollegen Mut zuzusprechen, war Helmut Soltau. „Der Zusammenhalt der Belegschaft war immer extrem gut gewesen. Einer kam ohne den anderen nicht aus“, erzählte das ehemalige Betriebsratsmitglied. Während viele Mitarbeiter die Insolvenz vor sechs Jahren nutzten, um sich beruflich umzuorientieren, hätten insbesondere die älteren Arbeitnehmer, die in dem Werk geblieben sind, jetzt wohl die Chance verspielt neue Wege zu bestreiten. „Es tut weh, wenn man sieht, das hier überdurchschnittlich qualifizierte Fachkräfte auf der Straße landen“, sagte Soltau.

Die Produktionsanlagen zur Herstellung von Farbstoffen, die in dem Bayer Industriepark eingebunden sind, wurden 1981 erstmalig in Betrieb genommen. Sie wurden später von dem 1995 als Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Bayer, Hoechst und BASF gegründeten Unternehmen DyStar übernommen und betrieben. Nachdem der Frankfurter Textilfarbenhersteller 2009 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen musste, wurde DyStar von dem Chemie-Konzern Kiri Dyes and Chemicals aufgekauft. Was zunächst wie eine Rettung der Arbeitsplätze in der Farbenfabrik der Schleusenstadt aussah, entpuppte sich jedoch schnell als Irrglaube, denn der indische, börsennotierte Chemieriese plante die Herstellung von Reaktivfarbstoffen bis 2012 weitgehend an asiatische Standorte zu verlagern und den Brunsbütteler Standort zu schließen. Ende 2010 veräußert der indische Konzern Kiri Dyes and Chemicals den Brunsbütteler Standort zur allgemeinen Überraschung an den Feinchemikalienhersteller CBW Chemie GmbH Bitterfeld-Wolfen. Die Nachricht über den Verkauf sorgte für allgemeine Erleichterung, setzten die neuen Investoren Zeichen dafür, sich langfristig an den Standort binden zu wollen. Bis zu 25.000 Tonnen Farbstoffe wurden in der hundertprozentigen Tochterfirma der CBW pro Jahr für die Textil- und Papierindustrie hergestellt. 2014 erhielten die Mitarbeiter der Chemischen Fabrik Brunsbüttell (CFB) die nächste Hiobsbotschaft. In der Folge von „dramatisch gestiegenen Rohstoffpreisen“ verlor das Unternehmen drastisch an Kunden. Eine Schließung des Brunsbütteler Werks sei zur Jahresmitte unumgänglich, teilte die Geschäftsführung daraufhin mit. Kurz vor der Schließung kam zumindest für ein Drittel der Beschäftigten eine erneute Rettung. Das Werk im Bayer-Industrieparkt nutzte Teile der Anlage, um mit 29 Mitarbeiter spezielle Farbe für Kartonagen zu fertigen. Anfang des Jahres wurde dann das endgültige Aus für die Chemische Fabrik Brunsbüttel und deren restlichen Mitarbeiter verkündet.

 

 

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