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Björn Engholm kritisiert unseriöse Arbeit der Medien im Ukraine-Konflikt

Wewelsfleth - Thema traf den Nerv der Zeit. Zahlreiche Gäste hatten sich in der Mehrzweckhalle der Störgemeinde eingefunden um im 31. Jahr der Wewelsflether Gespräche der Veranstaltung beizuwohnen. Dem SPD Ortsverein Wewelsfleth war es in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Sozialdemokraten erneut gelungen, eine erlesene Runde von Experten auf dem Podium zum Thema „Wieder kalter Krieg? Europa zwischen den Fronten“ zu platzieren. Diese lieferten zwar keine lebhaften Debatten, doch in manchen Bereichen durchaus kontroverse Sichtweisen. Insbesondere wenn es um die Rolle der USA sowie der Deutschen Medien im gegenwärtigen Ukraine-Russland-Konflikt geht. Ein Konflikt der sich extreme auf das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Russland auswirkt und eine, nach Meinung aller Podiumsgäste, schwer einschätzbare sowie durchaus bedrohliche politische Lage ähnlich dem Kalten Krieg hervorgerufen hat. Eine Situation die es dringend durch intensive diplomatische Bemühungen zu entschärfen gilt. Der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins Björn Engholm, der als Mitbegründer der Podiumsdiskussion in der Störgemeinde, einen festen Platz in der Podiumsrunde einnimmt, mahnte inständig zu einem „politischen Verständnisdenken“ in Manier Willy Brandts zurückzukehren. „Du musst die Interessen deines Gegners kennen um auf die Interessen eingehen zu können“, zitierte Engholm den 1992 verstorbenen Altkanzler. Deutschland und die Europäische Union haben über zwei Jahrzehnte die Russischen Interessen ignoriert, sind viel zu sehr auf die Interessen der USA ausgerichtet und definieren sich zu intensiv über die Vereinigten Staaten. Ein großer Teil der Deutschen Medien sind in der Berichterstattung alles andere als neutral und betreiben mindestens im selben Umfang Propaganda, wie es der Westen dem Russen vorwirft. Als Beispiel nannte Björn Engholm die jüngsten russischen Manöver über der Nord- und Ostsee, die Tagelang die Schlagzeilen vieler Zeitungen bestimmten, während die wenige Wochen zuvor von der NATO abgehaltenen Gefechtsübungen mit und in der Ukraine sowie im Schwarzen Meer nahezu keine Erwähnung in den Medien fanden. Als überaus provokant bezeichnete Engholm das Handeln sowie die Äußerungen vieler Politiker und Medien und rief zu mehr Vernunft und Rücksichtnahme insbesondere in ihren Äußerungen auf. Amerika sei ein Land, welches grundsätzlich eigene Interessen verfolgt. Als zukunftsorientiert handeln und denkender Staat, der rund 60 Prozent seiner Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, sei Amerika sehr global, jedoch auch immer auf seine eigenen Vorteile bedacht, ausgerichtet. Eine Meinung die Prof. Dr. Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg in weiten Teilen mittrug. Die EU und Nato trügen einen großen Anteil an dem spannungsgeladenen Verhältnis. Dazu zählt auch die USA. So wurde entgegen getroffener Abmachungen, Streitkräfte in Richtung Russland verlagert und alle Zeichen für eine EU Ostererweiterung gehisst, auf die Russland in gewisser Weise reagieren musste. Die eingeleiteten Sanktionen alleine würden keine Probleme lösen, sondern lediglich den einfachen Menschen sowohl hierzulande als auch in Russland treffen. „Die russische Bevölkerung ist sehr leiderprobt, die Sanktionen ändern somit nichts“, sagte Neuneck. Politik und Diplomatie sind ebenso gefragt wie ein verändertes Denken in den Köpfen der westlichen Politiker und Medien dahingehend, das nicht alles was der Amerikaner macht gut ist und der Russe ausschließlich böse Absichten verfolgt, sagte der Experte für Sicherheitsfragen. Eine etwas andere Haltung vertrat hingegen Karsten Dietrich Voigt. Die Russland Ukraine-Krise hätte einen außenpolitisch tieferen Einschnitt ausgelöst als der Terroranschlag 9/11. Das amerikanische Interesse an Russland sei erst durch die jüngsten Ereignisse wiedererweckt worden. „Die USA allen voran Barack Obama, haben Russland bis dato lediglich als eine Regionalmacht betrachtet“, so der langjährige Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit und aktueller Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Wurden die Russen in der Vergangenheit immer als sehr Vertragstreu betrachtet, sei ihnen nun hinsichtlich der Einhaltung von Abmachungen nicht mehr uneingeschränkt zu trauen. Nach Ansicht Voigts müsse ein Weg gefunden werden die Ukraine näher an die EU zu bringen, während gleichzeitig der Kontakt zu Russland nicht verloren gehen darf. Thomas Stritzl, christdemokratischer Bundestagsabgeordneter und stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss verteidigte die Sanktionen. Sie seien notwendig um Schlimmeres zu verhindert. „Ohne Sanktionen bekommen die Russen zurecht den Eindruck, dass das Recht des Stärkeren zählt“, so Stritzl. In ihrer Durchführung würden Angela Merkel und Peer Steinbrück sehr besonnen und in kleinen Schritten vorgehen. Damit haben sie die Möglichkeit auf jede veränderte Situation reagieren zu können. Man dürfe nicht vergessen, dass Russland ein Atomwaffenland ist. Das abschließende Wort gehörte Prof. Dr. Patricia Springborg. „Europa muss sich fragen, ob Amerika wirklich so wichtig für Europa ist. Europa sollte endlich erwachsen und unabhängig von den USA werden“, so die Politologin aus Neuseeland. Es sei ein Land, das längst nicht mehr als Sinnbild von Demokratie zu betrachten ist. „Amerika befindet sich in einer ausgeprägten Ent-Demokratisierungsphase“, betonte Springborg . So ist zu beobachten, dass in vielen Staaten der USA die Tea-Party-Bewegung an Einfluss gewinnt, die gegen Bildung, Aufklärung und Wohlstand ist. „Bildung macht bekanntlich unabhängig“, so die Politwissenschaftlerin. Mit den Worten: „Wir wollen nie wieder Krieg, auch keinen Kalten Krieg. Denn in einem Krieg gibt es niemals Gewinner“, bedankte sich Ehrenbürgermeister Ingo Karstens bei der Podiumsrunde unter der Leitung von Prof. Rainer Burchardt.   Fotos: 01: Waren in vielen Punkten einer Meinung jedoch nicht was die Rolle der USA im Russland-Konflikt anbelangt: Björn Engolm und Karsten Voigt   02: v.li Björn Engholm, Karsten Voigt, Prof- Rainer Burchardt, Prof. Dr. Götz Neuneck, Thomas Stritzl   03: v.li Prof. Dr. Patricia Springborg, Björn Engholm, Karsten Voigt, Prof- Rainer Burchardt, Prof. Dr. Götz Neuneck, Thomas Stritzl  
  1. Zahlreiche Besucher waren zu den diesjährigen Wewelsflether Gesprächen erschienen
   
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