Dütt & Datt

Lebensretter aus Dingen mit Rettungsmedaille ausgezeichnet

23.02.2017 Dingen - Hendrik Lüders aus Dingen ist ein ruhiger, zurückhaltender Typ. Einer, der eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt steht. Doch seit seinem selbstlosen Eingreifen bei einem Hausbrand am 25. November des vergangenen Jahres in seiner Heimatgemeinde, wird viel über den 31-jährigen Familienvater gesprochen und berichtet. Selbst in der Kieler Staatskanzlei wurde man auf den mutigen Einsatz des jungen Handwerkers aufmerksam. Am Montag lud Ministerpräsident Torsten Albig den 31 Jahre alten Alltagshelden zu sich ein, um ihm für sein mutiges Eingreifen in höchster Not, unter Einsatz seines eigenen Lebens und der Rettung von zwei Personen aus einem brennenden Gebäude, mit der Rettungsmedaille des Landes Schleswig-Holstein am Bande und einer Urkunde auszuzeichnen.   „Es war ein unglaublich aufregender Tag in Kiel“, sagt Hendrik Lüders, der gemeinsam mit seinen Eltern Dieter und Martina Lüders sowie dem Bürgermeister der Gemeinde Dingen, Karl Heinz Reiche die Fahrt in die Landeshauptstadt antrat. „Natürlich ist diese Auszeichnung für mich eine Ehre, aber ich hoffe, dass jetzt endlich wieder etwas mehr Ruhe einkehrt“, so der Lebensretter. Ruhe, die er aber auch seine Familie jetzt gut gebrauchen können. Nicht nur, weil Hendrik Lüders derzeit neben der Arbeit noch die Meisterschule besucht, sondern auch um das Erlebte verarbeiten zu können. Erst nach und nach wird deutlich, wie sehr der Tag, an dem Hendrik Lüders zum Lebensretter wurde, sein aber auch das Leben seiner Familie geprägt hat.   „Seit dem Brand im Nachbarhaus, habe ich zwei große Feuerlöscher im Haus, von denen einer griffbereit neben meinem Bett steht“, so Lüders. Zudem wurde jeder Raum mit Rauchwarnmeldern ausgerüstet. Wenn er, seine Frau Sina (31) oder aber auch die Kinder (5,11) das Haus verlassen wollen, werden zunächst alle Elektrogeräte abgeschaltet. Bevor sie schließlich durch die Haustür gehen, vergewissern sie sich ein weiteres Mal, ob auch wirklich alles ausgeschaltet wurde. Ein Verhalten, welches die Familie erst seit dem Tag des Brandes angenommen hat und verdeutlicht, wie präsent die Erlebnisse des 25. November noch in den Köpfen der Familie sind.   Rückblick: In den frühen Morgenstunden des 25. Novembers werden Hendrik Lüders und seine Frau durch lautes Knallen aus dem Schlaf gerissen. „Meine Frau sah ein Flackern und dachte erst, dass es bei uns brennen würde.“ Das Paar erkennt jedoch schnell, dass nicht ihr Haus, sondern das des Nachbarn in Flammen steht. Barfuß, in Jogginghose und Unterhemd rennt der 31-jährige selbstständige Baudienstleister in die Kälte. Dort kommt ihm bereits die 81 Jahre alte Hausbesitzerin aus dem völlig verqualmten Haus entgegen. Am Fenster im Obergeschoss des brennenden Gebäudes steht derweilen die 57-jährige Pflegerin. Hendrik Lüders holt eine Leiter, stellt sie an das Gebäude und nimmt zunächst den Hund der Pflegerin entgegen, den er an eine Nachbarin weiterreicht, die zwischenzeitlich zur Hilfe geeilt ist. Während die Pflegerin sich über die Anlegeleiter selber aus dem Haus befreit schnappt sich der Familienvater einen Vorschlaghammer und schlägt die Haustür ein, die wieder ins Schloss gefallen war. „Im Gebäude konnte ich kaum etwas sehen, weil die Räume völlig verqualmt waren“, erinnert sich Lüders. Als er kurz ins Freie läuft um wieder etwas Luft zu holen, schnappt er sich instinktiv ein Tuch und feuchtet es in einem Eimer an, um es sich um den Kopf vor Mund und Nase zu wickeln. Erneut tastet er sich durch die Räumlichkeiten mit dem Wissen, dass der 81 Jahre alte pflegebedürftige Hausbesitzer sich noch in den Räumen befindet. Als er diesen in seinem Bett schlafend vorfindet, reagiert dieser zunächst etwas verärgert, wurde er nicht nur aus dem Tiefschlaf gerissen, sondern ging zudem davon aus, dass ein vermummter Einbrecher an seinem Bett steht. Mit viel Kraft und Mühe gelingt es Hendrik Lüders mit der Unterstützung der Pflegerin auch den Hausbesitzer in Sicherheit zu bringen.   „Ich habe während meines Eingreifens die gesamte Situation erlebt, als würde sie in Zeitlupe ablaufen“, erinnert sich Lüders. Wirklich bewusst nachgedacht habe er nicht, sondern mehr instinktiv gehandelt. Das spiegelt wohl auch das Vorgehen wieder, sonst hätte er sich wohl kaum noch die Zeit genommen, mit einem Besen die Scherben im Eingangsbereich zur Seite zu fegen, damit sich der 81-jährige Hausbesitzer nicht die Füße aufschneidet. Tage nach dem Einsatz wurde er von der Feuerwehr gefragt, ob er der Wehr nicht beitreten möchte. „Das musste ich dankend ablehnen“, so Lüders. Zwar hat er keine Angst vor Feuer, doch neben riesigen Respekt vor Qualm vor allem die Befürchtung, dass er vor allem Unfallszenarien nicht gewachsen ist. „Ich glaube Bilder von Verkehrsunfällen könnte ich nur sehr schwer verarbeiten.“ Sein Eingreifen sieht er als Selbstverständlichkeit an und daher sieht er sich selber nicht als Held.        
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