Brokdorf

Zweifel an Endlagersuche

Beim Dialog-Abend zum Zwischenanlage Brokdorf ging es insbesondere um Sicherheitsstandards

Die Suche nach ein Atommüll-Endlager läuft, doch sie steht noch ganz am Anfang. Im kommenden Jahr soll ein erster Zwischenbericht veröffentlicht werden. Nach dem Aus für das geplanten Endlager im niedersächsischen Gorleben, werden dann erstmals neue Eignungsgebiete ausgewiesen. „Daten von 64 Bundes- und Landesbehörden werden hierfür ausgewertet“, teilte Stefan Studt, Chef der Endlagersuchgesellschaft BGE am Mittwochabend in Brokdorf mit. Ob die politische Zielsetzung, bis 2031 einen Standort für ein Endlager auszuwählen eingehalten werden könne, vermochte er nicht mit Gewissheit zu sagen. Selbiges gilt somit auch für die anvisierten Inbetriebnahme des Endlagers bis 2050. Die Angst, die in Teilen der Bevölkerung vorherrscht, bleibt somit erstmal bestehen. Befürchtet wird, dass die atomaren Zwischenlager, die auf 40 Jahre angelegt sind, zu Endlagern werden, da immer wieder die Notwendigkeit besteht aber auch Mittel und Wege gefunden werden, deren Laufzeiten zu verlängern.

Genährt werden die Sorgen durch die geplante Rückführung radioaktiver Abfälle aus Großbritannien und Frankreich. Diese beginnt im kommenden Jahr. Bis zu 25 Behälter mit ursprünglich in Deutschland verursachten hochradioaktiven Abfällen, sollen in Zwischenlagern Biblis, Brokdorf, Isar und Philippsburg bis zur Endlagerung aufbewahrt werden. Sieben Castoren werden 2023 oder 2024 ins Brokdorfer Zwischenlager gebracht. Per Schiff, Bahn und Lkw findet der Transport statt. Die genaue Route bleibt geheim. In Brokdorf läuft die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager 2047 aus. Diese müsste gegebenenfalls verlängert werden. Derzeit stehen hier 33 Castoren-Behälter aus dem eigenen Betrieb. Platz ist für bis zu 100 Behälter. Eine „heiße Zelle“ in der beschädigte Castoren Castoren repariert werden können gibt es derzeit nicht. Diese sei aufgrund des hohen Sicherheitsstandards und kontinuierlicher Überwachung der Castoren-Behälter, für die Zeit der Lagerung nicht erforderlich, beruhigen die Experten. „Im Grundlagerpapier der Bundesregierung steht dennoch drin, dass die Möglichkeiten vor Ort vorhanden sein müssen, solche Heißen Zellen zu errichten und das ist auch durch den Antragsteller darzustellen“, erläuterte Präsidenten des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), Wolfram König. So soll vorsorglich sichergestellt werden, dass im unwahrscheinlichen Falle einer Reparaturnotwendigkeit, die verkehrsrechtliche Bedingung hergestellt werden kann, damit die Castoren über öffentliche Straßen ins Endlager transportiert werden können.

Die in Teilen der Bevölkerung bestehenden Zweifel und Sorgen werden ernst genommen. Obwohl die Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) erst im Juni des vergangenen Jahres zu einer Informationsveranstaltung geladen hatte und sich seither gar nicht so viele neue Informationen angesammelt haben, lud sie am Mittwoch erneut ins Hotel Sell nach Brokdorf ein. Mit einem Höchstmaß an Transparenz und Informationen sollen Zweifel zerstreut werden. Rund 60 Besucher folgten der Einladung. „Wir möchten mit den Menschen aus der Region weiter im Gespräch bleiben und uns selbstverständlich an unser gegebenes Versprechen halte, dass wir sie regelmäßig informieren“, betonte Gastgeber Ewold Seeba, Vorsitzender der BGZ-Geschäftsführung.

Mit dem Präsidenten des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), Wolfram König, dem Leiter der Atomaufsicht im Kieler Umweltministerium, Jan Backmann, Sprecher des Castor-Behälterhersteller-GNS, Michael Köbl sowie Wilhelm Graf als technischer Geschäftsführer der BGZ hatte Seebad hochkarätige Experten an seiner Seite. Zudem hatte sich mit Stefan Studt, der Chef der Endlagersuchgesellschaft BGE unters Publikum gemischt.

Ausführlich wurde abermals über die Bauweise des Castor HAW28M-Behälter berichtet, der für die Rückführung der hochradioaktiven Abfälle zum Einsatz kommt. Dieser soll denselben Sicherheitsstandart aufweisen wie der bereits in Nutzung befindliche Castor V19. Zudem wurde die Sicherheit der Zwischenlager für hochradioaktiven Abfälle erörtert. Trotz größter Bemühungen fand am Ende der Veranstaltung nicht jeder Kritiker befriedigende Antworten und das Vorgehen ausreichend transparent. „Aufgrund von Terrorschutz und der rechtlichen Verpflichtung Betriebsgeheimnisse zu bewahren, ist es uns schlicht nicht möglich und erlaubt alle Daten zugängig zu machen“, warb Wolfram König um Verständnis.

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