Wilster

Finanzausschuss spricht sich für Schulneubau aus

Finanzausschuss votiert einstimmig für Millionenprojekt: Keiner leichten Entscheidung sahen sich die Mitglieder des Fachausschusses am Montagabend gegenübergestellt. Die finanzielle Lage der Stadt ist desolat, dennoch musste trotz weiterer in Planung stehender Projekte, über den Bau einer neuen Grundschule entschieden werden. Nach intensivem Abwägen sämtlicher Argumente kamen die Mitglieder beider Fraktionen geschlossen zu der Erkenntnis, dass der Schulneubau alternativlos ist.

Auf 11 Millionen Euro belaufen sich die planerischen Kosten für den Neubau der Wolfgang-Ratke-Schule. Bis zum tatsächlichen Baubeginn könnten die notwendigen Ausgaben noch einmal kräftig steigen. Die Höhe einer möglichen Förderung ist hingegen ungewiss. Sämtliche Förderprogramme sind ausgelaufen, eine Neuauflage erscheint jedoch mehr als wahrscheinlich. Bleiben die Förderkriterien unverändert, dann könnte der Schulverband mit einer finanziellen Unterstützung aus dem Kommunalinvestitionspaket des Bundes in Höhe von etwa 1,3 Millionen Euro rechnen.

Der Gemeindevertretung aus Sankt Margarethen ist das zu wenig. Diese Verknüpft ihre Zustimmung für den Neubau mit Bedingungen. Erst bei einer Förderung des Neubauvorhabens durch Land und Bund in Höhe von 30 Prozent der Baukosten, seien sie mit im Boot. Auch aus anderen Gemeinden ist zu vernehmen, dass die zusätzliche finanzielle Belastung den Kommunen zu schwer wiegt.

Einen neuen Lösungsansatz, um die Gemeinden von dem Projekt trotz der hohen Kosten zu überzeugen, brachte der Fraktionsvorsitzende der Wilsteraner Christdemokraten, Mark Dethlefs am Montagabend ins Spiel: „Angesichts der derzeitigen Nullzinspolitik und der Abschreibungsdauer des Neubaus von 80 Jahren sollten wir vielleicht ein Finanzierungsmodell in Betracht ziehen, dass nicht über 20 Jahre sondern über 40 Jahre läuft.“ Die jährliche Mehrbelastung, die in der Schulverbandsumlage der Gemeinden zum Tragen käme, würde dadurch deutlich geringer ausfallen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende erklärte ferner, dass Wilster mit 40 Prozent an dem Schulverband beteiligt ist und damit den Löwenanteil der Kosten trägt. In seiner Ausführung appellierte er an die 14 Landgemeinden, den nötigen Mut aufzubringen: „Wilster ist die Gemeinde, die am wenigsten Geld hat und es sich dennoch zutraut dieses Projekt anzugehen und das trotz weiterer notwendiger Millioneninvestitionen für die Feuerwache und Stadtentwicklung.“ So gänzlich könne er die aufkeimenden Diskussionen nicht nachvollziehen, habe es diese bei dem Bau der Gemeinschaftsschule nicht gegeben.

Die Finanzausschussmitglieder waren sich zudem einig, dass es immens wichtig sei, in der Marschenstadt eine Grundschule mit einem gewissen Standard aufzubauen, um Wilster dauerhaft als Schulstandort zu sichern. Wie schnell das Bildungsministerium und Schulamt eine Schule schließen könne, habe man in Krempe gesehen.

Dass die Schulstandorte in St. Margarethen und Wewelsfleth weiter erhalten werden sollen, verdeutlichen unter anderen die Baupläne. So ist der Schulneubau auf 200 Schüler ausgelegt. Eine Unterbringung der Schüler der beiden anderen Grundschulen wäre nicht ohne weiteres möglich. Hierfür wäre ein weiterer Anbau von Nöten. „In der Schulverbandsversammlung wurde protokolliert, das kein Interesse daran besteh, die beiden Standorte zu schließen“, unterstrich Bürgermeister Walter Schulz, der zudem den Posten des Schulverbandsvorsteher bekleidet. Die Sorgen seinen nachvollziehbar jedoch in diesem Zusammenhang unbegründet.

Infokasten:

Unzulänglicher Brandschutz, fehlende Fluchtwege und Sicherheitstechnik, keine Barrierefreiheit und eine dringend notwendige energetische Sanierung hatten die Diskussionen über einen Schulneubau ins Rollen gebracht. Die Brandaufsicht sitz dem Schulverband im Nacken und erwartet eine Entscheidung. Nach den neuen Schulbaurichtlinien fehlen der Schule zudem rund 814 Quadratmeter Unterrichtsfläche. „Eine Grundschule setzt in der heutigen Zeit andere Grundlagen für eine zeitgemäße Pädagogik“, erklärt Schulleiterin Yvonne Wilhelm. Die Anzahl der Kinder mit verschiedenen Förderschwerpunkten ist stark gestiegen. Damit einher geht auch der gestiegene Bedarf an Schulbegleitern. „Aktuell gibt es in fast jeder der vorhandenen Klassen der Wolfgang-Ratke-Schule mindestens eine weitere erwachsene Person als Schulbegleiter, teilweise sogar zwei. Dies beengt den Klassenraum zusätzlich“, schildert Wilhelm die aktuelle Situation. Über eine Umsetzung der Themenbereiche Digitalisierung und Vorbereitung auf eine Ganztagsschule bräuchte man sich in Wilster derzeit nur wenig Gedanken machen, da dies in dem 1895 errichteten Schulgebäude schlicht nicht möglich sei.