Brunsbüttel

Protestaktion gegen Schließung der ambulanten Gynäkologie

Etwa 100 Frauen aus der Schleusenstadt und dem südlichen Dithmarschen sowie einige Männer waren am Dienstagabend dem spontanen Aufruf der Brunsbütteler SPD-Fraktion gefolgt. Vor dem Eingang des Elbeforums versammelten sich diese zu einer gemeinsamen Demonstration gegen die geplante Schließung der ambulanten Gynäkologie im Brunsbütteler Westküstenklinikum zum Jahresende. Die Initiatorinnen der Protestaktion Elke Schmidt-Wessel und Karin Süfke hatten zudem eine Unterschriftenliste mit annähernd 900 Namen von Unterstützern im Gepäck, die in weniger als einer Woche im Stadtgebiet gesammelt wurden.

Bevor sich die politischen Vertreter der Rathausfraktionen gemeinsam mit der Geschäftsführung der Westküstenkliniken zu einer nicht öffentlichen Sondersitzung in den Bürgersaal des Elbeforum zurückzogen, wurde diese Liste als ein Zeichen für die Bedeutung einer fachärztlichen Versorgung im Bereich der Frauenheilkunde in der Schleusenstadt, dem Geschäftsführer, Martin Blümke überreicht.

v.li Elke Schmidt-Wessel, Martin Blümke, Karin Süfke

„Der Wunsch und die Hoffnung, die ambulante gynäkologische Versorgung in der Schleusenstadt aufrecht zu erhalten hat uns alle verbunden“, sagte Blümke und ergänzte ohne Umschweife: „Diese Hoffnung konnten wir jedoch an dieser Stelle nicht erfüllen.“  Aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit der Gynäkologischen-Ambulanz habe der Aufsichtsrat keine andere Wahl gehabt, als die Schließung zu beschließen. Auch wenn die Versorgung der Region mit niedergelassenen Ärzten keine Aufgabe des Krankenhauses ist, so sei man dennoch um kreative Lösungen bemüht, die es jedoch gemeinsam mit der Stadt und dem Kreis zu finden gilt.

Eine Äußerung, die weder die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Elke Schmidt-Wessel noch ihre Parteikollegin Karin Süfke oder die Protestlerinnen bedenkenlos hinnehmen wollten. Durch den Umbau des Brunsbütteler Westküstenklinikums in ein Integriertes Versorgungszentrum, der mit Millionen Euro von Land und den Kassen gefördert wurde, sei man aus Sicht vieler Demonstrantinnen auch eine erweiterte Verpflichtung eingegangen, der man sich nicht so ohne weiteres entziehen dürfe. „Ich bringe durchaus Erfahrungen in der Leitung von defizitären Betrieben mit und weiß daher auch um Möglichkeiten, die es gibt“, sagte Elke Schmidt-Wessel und betonte, dass sich die SPD-Fraktion starkmachen werde, dass es mit der Gynäkologie in Brunsbüttel weitergehen werde.

Rosemarie Speck

Angesichts der vorherrschenden Situation, dass die meisten gynäkologischen Praxen im Kreis bereits überlaufen sind und keine neuen Patienten mehr aufnehmen können, sei es unverständlich und unvorstellbar, dass eine Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei, tönten Zweifel an der Begründung aus den Reihen der Demonstranten. „Ich fühle mich betrogen und hintergangen“, äußerte Rosemarie Speck unverblümt.

Andere Frauen, wie beispielgebend Susanne Nagel brachten ihre Ängste und Sorgen zum Ausdruck, die mit der geplanten Praxisschließung verbunden sind. „Ich habe Angst, dass ich bei einer Erkrankung wichtige Zeit verlieren könnte, wenn ich Monate auf einen Termin für eine Untersuchung beim Arzt warten muss“, so die St. Michaelisdonnerin. Eine Angst, die auf persönliche Erlebnisse beruht, wie sie jedoch viele Frauen bereits gesammelt haben. Gleich bei zwei ihrer Freundinnen entdeckte der Gynäkologe während einer Routineuntersuchung Knoten in der Brust und ordnete daraufhin zeitnah weiterführende Untersuchungen und Behandlungen an. Zudem betonten viele Teilnehmerinnen der Protestaktion, dass die Wahl des Frauenarztes eine Vertrauenssache ist. „Man wechselt einen Frauenarzt nicht so einfach wie einen Zahnarzt“, hieß es vielfach.