Kreis Dithmarschen Vermischtes

Steinzeit-Frauen waren Jägerinnen

Albersdorf (erb) ZDF-Dreharbeiten im Steinzeitparkt Dithmarschen. Das archäologische Open-Air-Museum in Albersdorf, mit seinem in Originalgröße rekonstruierten Nachbau eines Steinzeitdorfes, diente vier Tage lang als Kulisse für Dreharbeiten zu einer Terra X-Dokumentation. Ein 25-köpfiges Filmteam des Hamburger Filmproduktionsunternehmen Gebrüder Beetz und rund 60 Komparsen ließen die Geschichte noch einmal aufleben. Jedoch anders, als die Überlieferungen aus der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte bislang gedeutet wurden. Grund für die veränderten Darstellungen sind bahnbrechende Erkenntnisse, die dank neuster Untersuchungsmethoden gewonnen werden konnten und zu einem gesellschaftlichen Umdenken bezüglich der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau führen könnten.

Traditionelle Geschlechterrolle auf dem Prüfstand: Über Jahrhunderte wurde in einer männerdominierten Welt die Überzeugung vertreten, die Frau sei das vermeintlich schwächere Geschlecht. Frauenrechtlerinnen wie Clara Zetkin, Elisabeth Selbert und Alice Schwarzer haben viel dafür getan, um mit dieser traditionellen Rollenverteilung aufzuräumen. Und auch wenn sie hierzulande viel erreicht haben, so berufen sich insbesondere Männer auf den geschlechtlichen Urzustand, um die „natürliche“ Rollenverteilung aufrecht zu erhalten. Schon in der Steinzeit, so wird es schließlich in Schulen gelehrt, waren die Männer die starken und mutigen Jäger, die ihr eigenes Wohlergehen aufs Spiel setzten, um die Familie zu ernähren. Währenddessen verweilten die Frauen in der sicheren Höhle, wo sie sich um die Zubereitung des Essens und die Kinder kümmerten. Dieses klassische Rollendenken beeinflusst noch heute unser Denken und damit unsere Gesellschaft. Dank neuster Untersuchungsmethoden, die im Rahmen archäologischer Funde zum Einsatz kamen, gerät das Bild der klassischen Rollenverteilung nun stark ins Wanken.

„Vor zwei Jahren wurde in Stockholm an einem Skelett aus einem Grab der Wikinger-Hochburg Birka, ein DNA-Screening nach dem neuesten Stand der Technik mit erstaunlichen Ergebnissen durchgeführt“, so Produktionsleiter Sebastian Johannsen. Gingen die Wissenschaftler zunächst anhand der Grabbeigaben in Form von Waffen, Pferden und weiteren Gebrauchsgegenständen eines Kriegers davon aus, dass es sich bei den menschlichen Überresten um eine männliche Person handeln würde, entpuppte sich dies als Irrglaube. Sowohl das weibliche Skelett, als auch die Felszeichnungen in den Höhen von Lascaux, die anhand kriminaltechnischer Untersuchungsmethoden zu einem drei Viertel weiblichen Personen zugeordnet werden konnten, führten bei Wissenschaftlern zu Zweifeln an der Richtigkeit der verbreiteten, ursprünglichen Rollenverteilung.

Wurde das aus dem Bodensee geborgene sogenannte „Busenwand“ zunächst als Fruchtbarkeitssymbol gedeutet, so konnte auch hier herausgefunden werden, dass es sich vielmehr um eine Darstellung einer kultisch verehrten Ahnfrau handelt. Unerwartete Entdeckungen wurden zudem in China mit Hilfe von Isotopenuntersuchungen an Knochen aus 4500 Jahre alten Gräbern gemacht. Diese lassen die Vermutung aufkommen, dass es erst durch die Sesshaftwerdung zu einer Rollenverteilung und Abwertung der Frau gekommen ist.

„Diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind wir auf den Grund gegangen, indem wir für einen Dokumentationsfilm Wissenschaftler in China, Frankreich, Großbritannien und Schweden mit der Kamera interviewt haben“, erläutert Sebastian Johannsen. Die Erzählungen der Forscher mit lebhaften Bildern zu untermalen, ist Aufgabe von Regisseur Carsten Gutschmidt. Dieser ließ die 60 Komparsen in die Rolle von Bewohnern eines Steinzeitdorfes schlüpfen und stellte das tägliche Leben unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse dar, um die wissenschaftlichen Ausführungen zu visualisieren. Die Terra X-Dokumentation mit dem Arbeitstitel „Der Schlüssel zur Macht – Die Geschlechterrolle in der Archäologie“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2020 im ZDF und später auch auf Arte zu sehen sein und soll über ZDF Enterprises weltweit vermarktet werden.