Wilster

Wassertourismus als Chance

Wilster (erb) Hausboote als Ferienunterkünfte, Bootstege mit Rastplätzen für Wasserausflügler, Verleihstationen für Kanus, Elektroboote und Stand Up Paddling und Kurzzeitcamping am Wasser – Tourismus-Experten bescheinigen Wilster-Au touristisches Attraktionspotenzial. Etwa ein halbes Jahr hat das auf Tourismusentwicklung spezialisierte Beratungsunternehmen ProjectM aus Hamburg, die wassertouristischen Entwicklungspotenziale für die rund 19 Kilometer lange Wilster-Au unter die Lupe genommen. Dabei kam das Unternehmen zu dem Ergebnis, das die Wilster-Au das touristische Attraktionsmerkmal mit den höchsten Entwicklungs- und Vermarktungspotenzial für die Wilstermarsch ist. Bei einem entsprechenden Ausbau und einer Vermarktung als „Familiengewässer“, könnten insbesondere Tages- und Wochenendausflügler aus Hamburg zu einem Ausflug in die Wilstermarsch verleitet werden.  

Vor den Sommerferien stellte das Unternehmen sowohl Vertretern der Fraktionen aus der Ratsversammlung Wilster als auch dem Amtsausschuss des Amtes Wilstermarsch ein umfassendes wassertouristisches Entwicklungskonzept vor. Dieses war bereits Ende 2017 in Auftrag gegeben worden.

In seinem Endbericht weist das Unternehmen darauf hin, dass der Tourismus in der Wilstermarsch nie den Stellenwert wie in traditionellen Tourismusgebieten erreichen wird. Da die Region jedoch über ein durchaus umfangreiches touristisches Attraktionspotenzial verfügt, ist es dennoch möglich, dass der Tourismus bei entsprechender Vermarktung zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor in der Region wird. Die Wilster-Au genießt hierbei einen besonders hohen Stellenwert.

Die Wilster-Au, mit direktem Zugang zur Stör, zeichnet sich vor allem als gezeitenunabhängiges Gewässer aus, das zu jeder Zeit schiffbar ist. Die fehlende Strömung sowie eine abwechslungsreiche Wegführung entlang ruhiger Wiesenlandschaften, machen die Wilster Au zu einem attraktiven Gewässer insbesondere für Anfänger und Familien. Die länge des Wasserweges lädt ungeübte Kanuten zu einer Übernachtung am Wasser ein, während trainierte Wassersportler den Hin- und Rückweg durchaus auch an einem Tag meistern können. Sinnvoll sei es, die bereits vorhandenen Rastplätze, um weitere Anlegemöglichkeiten zu erweitern, die mit Tisch-Bank-Kombinationen, Mobiltoiletten und gegebenenfalls mit kleinen Feuerstellen, Badeleitern und Schutzhütten auszustatten wären. Um die Wilster-Au für die genannte touristische Nutzung herzurichten wäre eine finanzielle Investition in Höhe von rund 88.500 Euro notwendig.  Hinzu kommen Kosten für Infotafeln, Werbekampagnen und Werbematerialien, so dass von Gesamtkosten in Höhe von rund 120.000 Euro ausgegangen werden muss. Das Beratungsunternehmen geht davon aus, dass zwischen 50 und 75 Prozent der Investitionssumme aus Fördertöpfen bestritten werden kann.

Im Bereich der Kleingartenanlage befindet sich ein geeigneter Abschnitt für die Ansiedlung von bis zu sieben Hausbooten. Diese wären zwar fahrfähig, angedacht ist jedoch, diese als eine Art Ferienhaus auf dem Wasser an einem Standort fest zu verankern. Mit derartigen Übernachtungsmöglichkeiten hätte die Wilstermarsch ein Alleinstellungsmerkmal, was hohe Aufmerksamkeit erzielt und Gäste anlockt. Während es Aufgabe von Stadt und Amt wäre die Fläche hierfür zu erschließen, ist die eigentliche Umsetzung des Projekts nur auf privatwirtschaftlicher Basis vorstellbar. Die bauliche Umsetzung ist in Etappen vorgesehen. „Ziel sollte es sein, zunächst mit zwei maximal drei Hausbooten zu beginnen“, heißt es in dem Konzept.

Der Amtsausschuss sprach sich dafür aus, eine mögliche Förderung prüfen zu lassen und die in dem Konzept vorgestellten Handlungsvorschläge zur Inwertsetzung der Wilster Au vorzubereiten.

INFO:

Jahrhunderte war die Wilster-Au Lebensader der Stadt Wilster und der umliegenden Gemeinden.

Über den natürlichen Fluss, der seine Quelle nahe dem Luftkurort Burg hatte, wurde die Region erschlossen und besiedelt. Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals (1887-1895) wurde die Wilster-Au von der Quelle getrennt. Die fehlende Strömung führte zu einer zunehmenden Verschlickung und schließlich nach und nach zur Deklassierung der einst so wichtigen Wasserstraße. Zwar befuhren bis in die 1970er Jahre noch Handelsschiffe Teile der Wilster-Au, doch der Aufwand, der betrieben werden musste, um die Wasserstraße beschiffbar zu halten, wurde zu groß. Der Transport von Handelsgütern verlagerte sich schließlich auf die Landstraßen. Aus der einst so wichtigen Wasserstraße wurde daraus folgend, ein lediglich mäßig genutztes Freizeitgewässer.

Selbst die immense Bedeutung, die die Wilster-Au für die Entwässerung der kompletten Wilstermarsch einnimmt, findet nicht mehr die angemessene Aufmerksamkeit. Das untermauert das laufende Küstenschutzprogramm, in dem keine Maßnahmen für die Wilster-Au vorgesehen sind, die dazu beitragen, die Entwässerung der Marsch zu optimieren. „Was helfen uns die hohen Deiche, wenn wir das Wasser dahinter nicht loswerden“, bemängeln Kritiker, zu denen auch Deichgrafen zählen, die zunehmende Verschlickung.