Vermischtes

Rückbau im Zeitplan

Brunsbüttel (jpm) Nach der Havarie des Kernkraftwerkes Fukushima verkündete Angela Merkel 2011 nahezu im Alleingang Deutschlands Ausstieg aus der Kernenergie. Die beispiellose energiepolitische Kehrtwende der schwarz-gelben Bundesregierung kam für viele überraschend. Auch für den schwedischen Energiekonzern Vattenfall. Das Unternehmen durfte mit seinem Kernkraftwerk Brunsbüttel entgegen vorheriger Absprachen nicht wieder ans Netz. Stattdessen wurde es endgültig stillgelegt und in Folge dessen 2012 von Vattenfall der Rückbau beantragt.

Im Rahmen des traditionellen Energiedialogs „Klönschnack am Deich“, zu dem das Unternehmen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung auf das Werksgelände geladen hatte erklärte Ingo Neuhaus, technischer Geschäftsführer der VattenfallEurope Nuclear Energy hierzu: „Wir akzeptieren den politischen und offenkundig mehrheitlichen Willen der Bevölkerung und auch, dass die Atomenergie keine Brückentechnologie im Rahmen des CO2-Ausstieg sein soll.“ Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Elektromobilität zeichnet sich für die nahe Zukunft ein steigender Strombedarf ab. Das schafft Potenzial für Technologien zur Erzeugung erneuerbaren Stroms, denen sich das Unternehmen längst angenommen hat. Neuhaus nutzte dennoch die Gunst der Stunde für den Hinweis: „In Schweden geht man in Sachen Energiewende und der Nutzung von Kernkraftenergie einen etwas anderen Weg.“

Nach sechsjähriger Prüfung des Stilllegungs- und Rückbauantrags erhielt Vattenfall Ende Dezember des vergangenen Jahres die lang ersehnte Genehmigung. „Unseren Traum, am ersten Januar mit dem Rückbau voll loslegen zu können mussten wir aufschieben“, sagte der Kraftwerksleiter Markus Willicks. Zunächst müssen die über 100 Auflagen und unzähligen Bedingungen aus dem 722 seitigen Stilllegungs- und Rückbauantrag in das Betriebshandbuch eingearbeitet werden, dass die genauen innerbetrieblichen Abläufe reguliert. „Jede einzelne Seite muss von einem Sachverständigen der Behörde überprüft und genehmigt werden“, beschrieb Willicks den bürokratischen Aufwand. Bis Ende Juni will das Unternehmen soweit sein, damit es mit Rückbau des Reaktors beginnen kann. „Dies ist das einzig terminkritische Vorhaben. Verschiebt sich dieses, verschiebt sich der gesamte Zeitplan für den Rückbau“, betonte Willicks. Ansonsten ist das Unternehmen mit allen vorbereitenden Maßnahmen im Zeitplan. Im Januar wurde die Bergung von 626 Fässern mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus der Kaverne abgeschlossen, die Fässer sicher im Zwischenlager untergebracht. Rund drei Jahre hat der Vorgang gedauert. Nach Zeitplan verlaufen zudem die Arbeiten am Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA). Nach heutigem Stand wird das Gebäude wie anvisiert im September des kommenden Jahres fertig.

„Im Mai haben wir uns nach Gesprächen mit mehreren Umweltverbänden und Bürgerinitiativen sowie dem Umweltministerium darauf verständigt, die bereits genehmigten Grenzwerte für die Einleitung radioaktiver Abwässer in die Elbe um 2,7 Prozent zu senken“, teilte Markus Willicks ferner mit. Die Kraftwerksgegner hatten zwar lobend anerkannt, dass sich Vattenfall in der Vergangenheit stets an das Minimierungsgebot gehalten und die genehmigten Grenzwerte selbst während des Betriebes zu weniger als 0,01 Prozent ausgeschöpft habe, und doch erzeugte der Antrag auf Einleitung von Abwasser in die Elbe mit den übernommenen Werten sowie für den Bau einer rund 200 Meter langen Ableitung zur besseren Verdünnung der radioaktiv kontaminierten Abwässer für Misstrauen. „Die radioaktiven Werte als euch chemischen Parameter des eingeleiteten Abwassers werden kontinuierlich überprüft und kontrolliert. Sie sind stets unterhalb der Trinkwasserversorgung. Unser Abwasser hat somit Trinkwasserqualität“, unterstrich Willicks. Aufgrund technischer Veränderungen im Kraftwerk haben sich der Verdünnungs- und Einleitungsvorgang verändert. Um diese zu optimieren wurde der Bau einer Ableitung beantragt. „Wir werden uns auch künftig an das Minimierungsgebot halten und auch die neuen Grenzwerte nicht ausreizen.“

Als Zeichen dafür, dass sich Vattenfall als Energieunternehmen nicht nur seiner Verantwortung im Bereich Umweltschutz bewusst, sondern darüber hinaus auch bereit ist, sich seiner sozialen Verantwortung zu stellen, trat es im Rahmen des traditionellen Energiedialogs der Sozialen Allianz bei. Seit 2012 ist es das Ziel des von der Stiftung Mensch gemeinsam mit Dithmarscher Unternehmen gegründeten Bündnisses, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. „Für mich persönlich und für Vattenfall ist es ein großes Anliegen, soziale Verantwortung zu übernehmen und dazu beizutragen, Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Und das nicht nur mit Worten, sondern auch mit praktischer Zusammenarbeit“, versicherte Willicks. Die ersten Dienstleistungsaufträge für Menschen mit Handicap bei der Stiftung Mensch sind bereits in Auftrag gegeben und es werden weitere folgen, kündigte der Kraftwerksleiter an.

In einem Kurzinterview mit Stiftungs-Chefin Dorothee Martens-Hunfeld untermauerte Willicks die Aufrichtigkeit dieses Bündnisses: „Ich habe einen älteren Bruder mit einer geistigen Behinderung und weiß daher um den Umgang unserer Gesellschaft mit diesem Thema und auch um die Probleme.“

Foto: Jens-Peter Mohr

v. li: Kraftwerksleiter Markus Williks, Stiftungs-Vorstand Dorothee Martens-Hunfeld, Vattenfall-Geschäftsführer Ingo Neuhaus