Vermischtes

Kraftwerksrückbau: Ein langer Weg bis zur grünen Wiese

St. Margerethen / Brunsbüttel (erb) Vom Atomkraftwerk zur grünen Wiese:  Geht es nach den Plänen des schwedischen Energiekonzern Vattenfall, sollen ab 2034 lediglich zwei Lagerhallen auf der ansonsten begrünten Fläche an das Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) erinnern. Dieses wurde nach rund sechseinhalbjähriger Bauzeit 1977 in Betrieb genommen. Bis 2007 wurden hier 124 211 Gigawattstunden Strom erzeugt. Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) entspricht dies etwa einem Viertel des jährlichen Energiebedarfs in Deutschland. Seit zwölf Jahre ist das KKB nicht mehr am Netz, erzeugt keinen Strom mehr. Seit Juni des vergangenen Jahres gilt Schleswig-Holsteins erster Atommeiler gar als brennelementfrei. „Mit dem Ausbau der Brennelemente hat die Anlage bereits 99 Prozent ihrer Radioaktivität verloren“, betonte Vattenfall-Sprecher Olaf Hiel am Montagabend im Dolling Huus. Auf Einladung der Gemeindevertretung informierte er hier 20 interessierte Gäste über den bisherigen Sachstand als auch die weiteren Abläufe, im Zusammenhang mit dem Rückbau.

„Beinahe so lange wie es gedauert hat, das KKW Brunsbüttel zu bauen, hat es gedauert bis wir die Stilllegungs- und Rückbaugenehmigung erhalten haben“, so Hiel. Im Dezember des vergangenen Jahres überreichte der für die Atomenergie zuständige Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) nach sechs Jahren Prüfzeit die 700 Seiten umfassende schriftliche Genehmigung an das Unternehmen. Die für den Rückbau anfallenden Kosten veranschlagt Vattenfall mit einer Milliarden Euro.

Zunächst werden der Reaktor sowie sämtliche technische Anlagen entfernt. Bis zu 9000 Tonnen radioaktive Abfälle fallen dabei an. Aufgrund der Verstrahlung müssen diese zunächst sicher verpackt im Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände eingelagert werden. Solange bis das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle fertiggestellt ist. „Eigentlich sollte das Endlager bereits 2022 in Betrieb gehen, doch es kam zu Verzögerungen. Nun wird 2027 anvisiert“, erläuterte Olaf Hiel.

Vattenfall-Sprecher Olaf Hiel

Sowohl 21 000 Tonnen Metallschrott als auch 270 000 Tonnen Bauschutt, die nach behördlicher Freimessung als unbelastet gelten, sollen gemäß dem allgemein geltenden Regelsystem des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts entsorgt beziehungsweise in den Wirtschaftskreislauf wieder eingeführt werden. „Es ist schwer, das Bewusstsein in die Köpfe der Menschen zu bekommen, dass diese Stoffe frei von Radioaktivität und somit unbedenklich sind“, äußerte Hiel und sagte weiter: „Sobald aus dem Herkunftsnachweis Kraftwerk steht wird es ein Problem den Müll in Deponien unterzubringen.“

Waren während der Zeit des Betriebes neben 380 festen Mitarbeiter zusätzlich bis zu 300 Mitarbeiter von Fremdfirmen und zur Revision zusätzliche 1200 Fachkräfte im Werk tätig, sind Zahlen seit der Stilllegung deutlich gesunken. 200 feste Mitarbeiter und bis zu 150 Monteure sind noch im Kernkraftwerk Brunsbüttel beschäftigt.