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SH-Westküste: Bemühungen um Bahnprojekt

Brunsbüttel 10.01.2018 – Seit Jahren wird gebetsmühlenartig der dreispurige Ausbau der B5 sowie der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Itzehoe und Brunsbüttel gefordert. In den ersten Entwürfen des Bundesverkehrswegeplan 2030 blieben die gewünschten Maßnahmen rund um das landesweit größte Industriegebiet zunächst unberücksichtigt. Nach zunehmendem Widerstand aus der Wirtschaftsregion gegen die Entwurfspläne, zeigte sich schließlich auch der Bund gesprächsbereit. Ende des vergangenen Jahres wurde die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Wilster und Brunsbüttel vom Bundesverkehrsministerium in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Groß war die Freude über den Teilerfolg. Im Hauptausschuss der Stadt Brunsbüttel folgte am Dienstagabend die Ernüchterung.

Auch wenn die Elektrifizierung der Bahnstrecke bis Landscheide und der Bau eines Begegnungsbahnhofs an dortiger Stelle im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und sogar höhergestuft wurde, so heißt es noch nicht, dass dieses Projekt auch tatsächlich kommt. „Die Bahn bekommt Geld und kann damit Planen. Wenn die Bahn in anderen Teilen Schleswig-Holsteins oder Norddeutschland einen anderen Bedarf sieht, kann sie dieses Projekt nach hinten schieben“, erläuterte Roy Kühnast von der egeb Entwicklungsgesellschaft in seinem geforderten Sachstandsbericht. Mit Hilfe einer Studie, die im ersten Quartal des laufenden Jahres in Auftrag gegeben werden soll, soll die Dringlichkeit dargestellt und um zeitnahe Umsetzung dieses Projekts geworben werden. „Auf die derzeitige Strecke, ohne irgendwelche Ausbauten, passen täglich 36 Züge in beide Richtungen. Im Moment fahren hier jedoch lediglich 12 bis 15 Züge. Mit diesen Zahlen haben wir nur sehr schwache Argumente“, unterstrich der Experte für Logistik und Verkehrsinfrastruktur. Wichtig sei es nun, mit Hilfe des Gutachtens auch einen Blick in die Zukunft zu werfen. Rund ein halbes Jahr wird für die Erstellung der Studie kalkuliert. „Alle Unternehmen aus der Region, die das Schienenverkehrsnetz nutzen möchten sollten sich bei uns melden“, betonte Kühnast.

Roy Kühnast von der egeb Wirtschaftsförerung Foto: JP Mohr

Neben der zukünftigen Entwicklung für etwa den Bau eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) sollen unter anderen auch die Tunnelbauwerke im Zuge des Ausbaus der A7 (Hamburger Deckel) in der Studie berücksichtigt werden. Hintergrund hierfür ist eine mögliche Tunnelbeschränkung für Gefahrguttransporte. Die Kategorisierung der Tunnelbauwerke steht noch aus. Zuständig ist in diesem Fall die Behörde für Inneres und Sport Hamburg. Insbesondere die Unternehmen aus dem ChemCoastPark müssen gegebenenfalls mit Transporteinschränkungen rechnen.  „Einzige Möglichkeiten diese Einschränkungen zu umgehen, wäre dann eine Verlegung des Transportes von Gefahrgütern auf die Schienen oder die Nutzung der geplanten Brunsbüttel-Cuxhaven-Fähre“, erklärte Kühnast.

Auch bezüglich des geforderten dreispurigen Ausbaus der B5 zwischen Wilster und Brunsbüttel sprechen die Verkehrszahlen nicht für einen automatischen Ausbau. Für einen Ausbau fordert der Bund ein tägliches Verkehrsaufkommen von 14000 Fahrzeugen. Auch hier soll eine Studie die Notwendigkeit der erweiterten Maßnahme untermauern. Den Löwenanteil der Kosten für die beiden Studien, die bis Mitte beziehungsweise zum Ende des Jahres vorliegen sollen, trägt das Land. Ferner sind die Kreise Steinburg und Dithmarschen, Stadt Brunsbüttel sowie die Unternehmen aus der Region an der Übernahme der Kosten beteiligt.

Foto:

Roy Kühnast von der egeb Entwicklungsgesellschaft

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