AllgemeinBrunsbüttelKreis Dithmarschen

Ein langer Weg bis zur grünen Wiese

Brunsbüttel (jpm) Der lange Weg bis zur grünen Wiese  –  Der Abriss des Atomkraftwerk Brunsbüttel ist längst beschlossene Sache. Bereits am1. November 2012 wurde vom Betreiber Vattenfall die Stilllegung des Kernkraftwerks sowie dessen Abbau beantragt. Die endgültige Erteilung der atomrechtlichen Genehmigung steht bislang noch aus. Vattenfall rechnet jedoch noch in diesem Jahr mit einem positiven Entscheid aus dem Kieler Energieministerium. Klappt es wie erhofft, dann will das Unternehmen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres mit dem Rückbau beginnen. Die vorbereitenden Maßnahmen hierfür, sind in vollem Gang. 202 eigene Mitarbeiter sowie weitere 200 Mitarbeiter von Partnerfirmen sind derzeit im Werkbeschäftigt und bereiten die Komplettdemontage vor.

Seit Anfang des Jahres gilt das Kernkraftwerk als brennstofffrei. Fünf der sechs unterirdischen Kavernen [ wurden vollständig geräumt. Die Arbeiten in der sechsten Kaverne sollen noch in diesen Monat abgeschlossen werden. 29 der ursprünglich 244 eingelagerten Fässer müssen noch herausgeholt und in vorbereitete Behältnisse verladen werden. Parallel zu den Bergungsmaßnahmen werden im Reaktorbecken die Steuerstäbe demontiert, fachgerecht zerlegt, verpackt sowie im Lagerbecken zwischengelagert.

Im September erfolgte auf dem Betriebsgelände der Spatenstich für das Lager für schach- und mittelradioaktive Abfälle(LasmA). Rund die Hälfte der 377 Bohrpfähle, auf denen das 16 Meter hohe und115 mal 48 Meter große Bauwerk stehen wird, wurden bereits fertiggestellt. Nachzweijähriger Bauzeit sollen hier ab 2020 rund 6000 Tonnen kontaminierte Abfällebis zur Fertigstellung des Endlagers Schacht Konrad untergebracht werden. Das Bundesumweltministerium rechnet mit einer Fertigstellung des Endlagers in 2027und beruft sich hierbei auf ein Sachverständigengutachten, das diesesprognostiziert.

Ein Antrag der Betreibergesellschaft für die Einleitung von Kühl- und Abwasser in die Elbe sorgt derweilen für Unruhe. Sowohl der BUND als auch der Kreisverband der Dithmarscher Grünen haben angekündigt, Einwendung gegen den Antrag zu erheben. Grund für die Stimmungsmache gegen Vattenfall ist der im Antrag erhobene und nach Meinung der Gegner viel zu hohe Abgabegrenzwert für radioaktive Stoffe von 185 Milliarden Becquerel pro Jahr über das Abwasser,welches der Elbe zugeführt werden soll.

„Nachdem die Laufzeit der letzten Genehmigung ausgelaufen ist, haben wir erneut die Erteilung einer gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis für die Einleitung von erwärmtem Kühl- und Abwasser in die Elbe beantragt“,sagt Olaf Hiel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Dies sei gängige Praxis und verpflichtend für alle Unternehmen,die Wasser der Elbe entnehmen und zuführen wollen. Da eine natürliche Radioaktivität allgegenwärtig ist, leitet quasi jedes Unternehmen, welches der Elbe Wasser zuführt, auch eine gewisse Menge natürliche Radioaktivität ins Gewässer ein.  „Da unser Unternehmen mit radioaktiven Stoffen arbeitet, wird bei uns neben zahlreichen anderen Werten insbesondere die Radioaktivität besonders streng überwacht“, erklärt Olaf Hiel.

Der beantragte Jahreswert ergibt sich aus dem Grenzwert, der in den Genehmigungen der zurückliegenden 40 Jahre, von dem Bundesamtes für Strahlenschutz festgelegt worden war. Im Rahmen des Folgeantrags wurde dieser Wert erneut übernommen. Mit gutem Gewissen, denn: „Wir sind rechtlich dazu verpflichtet, grundsätzlich alles Erdenkliche zu unternehmen, um den Strahlenwert unabhängig vom Grenzwert so gering wie nur möglich zu halten. Das wir uns an die Verpflichtung halten wird strikt überwacht.“ Angesichts der strengen Auflagen und der hohen Fließgeschwindigkeit der Elbe, ist die Radioaktivität,die durch das Abwasser in der Elbe landet nahezu nicht messbar. „Vor 30 Jahrenwäre es gar nicht messbar gewesen. Heute sind die Messgeräte jedoch so empfindlich geworden, dass sich ein Stück Würfelzucker im Bodensee konventionell und radiochemisch der tausendste Teil eines Atoms nachweisen lässt“, erläutert Matthias Roßkamp, Strahlenschutzbeauftragter des KKW Brunsbüttel .

Die erneute Panikmache der Atomkraftgegner halten sowohl Hiel als auch Matthias Roßkamp für gänzlich unangebracht. Wie bei den Diskussionen um das 10-Mikrosivert-Konzept als Grenzwert für die Freimessung von Abfällen,die bei dem Rückbau eines Kernkraftwerks anfallen, schüren Kernenergiegegner auch hier gezielt Ängste. „Bei dem Thema Freimessung wurde argumentiert, dass belasteter Stahl in Zahnspangen landen könnte. „Ich selbst würde eine Zahnspange aus freigemessenem Material ohne Bedenken tragen, unterstrich Roßkamp und ergänzt: „Bei jeder Röntgenuntersuchung, jedem Interkontinentalflug wäre ich einer deutlich höheren Belastung ausgesetzt.“ Im Rahmen der Beantragung einer gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis wiederholt sich die manipulative Vorgehensweise,unter anderem in dem erklärt wird, das Vattenfall vorhabe, Plutonium in die Elbe zu leiten. „Diese Behauptung ist in dieser Form völlig unsinnig“,unterstreicht Roßkamp und verweist an das Bundesamt für Strahlenschutz, die die Emission radioaktiver Stoffe aus kerntechnischen Anlagen streng überwacht und bilanziert. 

 Info-Kasten:  – Radioaktivität ist allgegenwärtig! –

Zum Vergleich: Der Grenzwert für die erlaubte Radioaktivitätsabgabe des französischen Kernkraftwerks Fessenheim in den Rheinseitenkanal liegt bei 925 Milliarden Becquerel pro Jahr

In Filterhallen von Trinkwasseraufbereitungsanlagen werden nicht selten Radonkonzentrationen in der Luft von bis zu 40 000 Becquerel pro Kubikmeter Luft gemessen. Die Mitarbeiter dort sehen sich somit einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt als Mitarbeitern von Kernkraftwerken. In den meisten Wohnhäusern bewegen sich die Werte bei etwa 50 Bq pro Kubikmeter Luft.

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz sind einem Liter Milch etwa 50 Becquerel (Bq) Radioaktivität zu messen. Der Grenzwert für Säuglingsnahrung und Milchprodukten liegt in der EU bei 370 Bq pro Kilogramm bei sonstiger Nahrung bei 600 Bq/kg


css.php