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Campingplatz vor ungewisser Zukunft

By Jens-Peter Mohr | In Brunsbüttel, Kreis Dithmarschen | on Juli 19, 2017
19.07.2017 Brunsbüttel - Erst im April dieses Jahres war es dem Brunsbütteler Badeverein von 1903 gelungen, mit Gisela Piotraschke eine neue Platzwartin für den vom Verein betriebenen Campingplatz “Am Elbdeich“ zu verpflichten. Doch die Sorgen um den Erhalt des idyllischen Platzes sind weiterhin groß. Bereits seit über sechs Jahren kämpft der 86 Mitglieder starke Verein um die Möglichkeit, das in die Jahre gekommene Sanitär- und Sozialgebäude durch einen Neubau zu ersetzen. Das Sanitärhaus, das schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wird nicht nur den Ansprüchen der Besucher nicht gerecht, sondern ist in einem Zustand, der lediglich noch Not- und Schönheitsreparaturen zulässt. „Wir haben aufsteigende Feuchtigkeit in den Innenwänden, ein Dach, das jedes Jahr geflickt werden muss, es gibt keine Heizung und regelmäßig müssen wir Verstopfungen in den Abflussrohren beseitigen, die ebenso alt wie das Gebäude sind“, nennt der Vereinsvorsitzende Heiko Johannsen Beispiele, die einen Neubau erforderlich machen. Angedacht hatte die Vereinsführung ein Gebäude in Holzständerbauweise. Neben vier Duschräumen mit WCs, einem Abstell- und Versorgungsraum soll das Gebäude drei einzelne Toiletten sowie einen 25 Quadratmeter großen Aufenthaltsraum inklusive einer kleinen Küchenecke vorhalten. Die für die Errichtung kalkulierten Baukosten liegen bei 145 000 Euro. „Diese Pläne gefielen der städtischen Bauamtschefin nicht, die aufgrund der Nass- und Feuchträume im Gebäude, dem Bauwerk keine lange Lebensdauer zuspricht“, zeigt sich der Vereinsvorsitzende über die Argumentation verwundert. Zum einen Plant der Verein kein Gebäude, dass die nächsten hundert Jahre überstehen soll, zum anderen haben sich nicht nur in den skandinavischen Ländern Gebäude in Holzbauweise längst bewährt. „Das von der Bauamtschefin vorgeschlagene Backsteingebäude würde mit planerischen Kosten von über 250 000 Euro unser Budget weit überschreiten“, so Johannsen. Mit Hilfe der Wählerinitiative Graue Panther Dithmarschen möchte der Verein sein Anliegen zum wiederholten Male in den Bauausschuss bringen. „Wir möchten kein Geld von der Stadt, sondern erhoffen uns Unterstützung in Form einer Bürgerschaft oder Erbpacht, damit wir von der Bank das notwendige Geld für die Errichtung des Gebäudes erhalten. Ferner wünschen wir uns, dass wir die Erlaubnis erhalten, dass Gebäude nach unseren Plänen, in Holzständerbauweise errichten zu dürfen“, fasst Heiko Johannsen dass an die Verwaltung gerichtete Begehren zusammen. „Wir stehen zu einhundert Prozent hinter den Plänen des Vereins, da wir meinen, dass der Campingplatz ein Stück Brunsbütteler Geschichte ist“, sagt der Ratsherr Heinz Zindler (Graue Panther) und ergänzt: „Gäste, nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa, den USA und Canada sind hier jedes Jahr zu Gast. Für uns zählt dieser Platz zu den Aushängeschildern der Schleusenstadt.“ „Einen Verein, der sich seit mehr als hundert Jahren ehrenamtlich für das Wohl der Stadt einsetzt und ein Ort, der seit vielen Jahrzehnten Menschen aus der Ferne in Brunsbüttel ein zweites Zuhause bietet, die lässt man nicht so einfach fallen, die haben Unterstützung verdient“, sagt Rolf Diercks (Graue Panther). „Seit über zehn Jahren verbringen wir hier unseren Urlaub, weil dieser Platz durch seine Größe und die Lage einen ganz besonderen Charm hat, den wir in dieser Form noch nirgends gefunden haben“, so Günther und Rose Holdt. Große Ausfahrten unternimmt das Paar aus der dänischen Stadt Tondern nicht. „Spaziergänge entlang des Deiches oder durch die Stadt machen wir schon, doch die meiste Zeit verbringen wir tatsächlich auf dem Campingplatz“, sagt Günther Holdt. „Früher gab es hier noch einen kleinen Kiosk, da habe ich immer Bonbons und Eis gekauft“, erinnert sich Astrid Lux aus Gladbeck (Nordrhein-Westfalen) gerne an ihre Kindheit zurück. „In den Sommerferien habe ich immer meine Oma in Brunsbüttel besucht und seit etwas sechs Jahren campe ich mit meinem Mann für zwei bis drei Wochen hier und lasse die eine oder andere Kindheitserinnerung aufleben.“ „Der Platz ist gemütlich und familiär, zudem bin ich gerne an der See. In Glückstadt war ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr stationiert“, ergänzt Heinz Lux. Beide Paare, die von den Sorgen des Vereins erfahren haben, hoffen das dieser seine Pläne umgesetzt bekommt und der Campingplatz “Am Elbdeich“ noch lange erhalten bleibt. Infokaste: Der Brunsbütteler Badeverein wurde 1903 gegründet. Damals war das Baden in der Elbe noch erlaubt. 1906 errichtete der Verein die Strandhalle, die viele Jahre später veräußert wurde. Mit Hilfe des Vereins wurde die heutige Deichstraße errichtet und begrünt. Nachdem das Baden in der Elbe verboten wurde, eröffnete der Verein den Campingplatz. Das Gelände wurde hierfür von der Stadt gepachtet. Rund 22 Wohnwagen finden auf der 2500 Quadratmeter großen Fläche einen Stellplatz. Geöffnet ich der Platz ab dem 1. April bis zum 31. Oktober. Pro Übernachtung werden für ein Pkw mit Wohnwagen und zwei Personen 18,50 Euro berechnet. Die Auslastung liegt bei 80 Prozent – Tendenz steigend, da immer mehr Fahrradfahrer mit Zelten den Campingplatz ansteuern. Auch die Wiederaufnahme der Fährverbindung Brunsbüttel - Cuxhaven ist auf dem Platz spürbar.

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