Umwelt

Aus für Vorzeigeprojekt?

Gas aus Windstrom sollte ein Vorzeigeprojekt für den Energiestandort Brunsbüttel werden. Nun steht das Projekt möglicherweise vor dem Aus.

Fünf Windkraftanlagen sowie ein Batteriespeicher-Kraftwerk sollten die Power-to-Gas-Anlage im Industriegebiet Holstendamm bilden. Dieses ehrgeizige Vorhaben hatte Tim Brandt, Prokurist der Wind to Gas Süderdithmarschen GmbH & Co KG bereits im Oktober des vergangenen Jahres dem Bauausschuss der Schleusenstadt vorgestellt. Zum damaligen Zeitpunkt zeigten sich die Ausschussmitglieder angetan von dem Projekt und sicherte dem Unternehmen seine Unterstützung zu. (Wir berichteten) Um letzte offene Fragen bezüglich der Umsetzung und Effizienz des Verfahrens zu klären, hatte der Ausschuss neben Tim Brandt auch Markus Hirschfeld vom Kieler Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein zur Ausschusssitzung im vergangenen Monat eingeladen. Bereitwillig lieferten die beiden Gäste Antworten auf alle gestellten Fragen.

In der jüngsten Sitzung am Dienstagabend sollte schließlich über eine notwenige Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans Nr. 77 abgestimmt, und damit die Weichen für Realisierung des Projektes gestellt werden. Doch dazu kam es gar nicht erst. Ratsfrau Bettina Jebens (FDP)beantragte die Zurückstellung des Beschlusses, der mehrheitlich mit sieben Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen von Christian Barz (Grünen) und dem Ausschussvorsitzenden Michael Kunkowski (CDU) beschlossen wurde. Vor der Abstimmung gab Kunkowski zu bedenken, dass eine erneute Verzögerung dazu führen könnte, dass das Unternehmen Abstand von seinen Plänen zum Bau der Anlage in Brunsbüttel nehmen müsse. Diesen Einwand wiesen die Ausschussmitglieder zurück.

 

Jürgen Abromeit (SPD) äußerte starke Bedenken an der Wirtschaftlichkeit der Power-to-Gas-Anlage. Bereits bei der ersten Vorstellung habe er moniert, dass das Projekt in sich nicht stimmig sei und die Angaben, die dem Ausschuss zu dem Projekt übermittelt worden waren, zu allgemein gehalten gewesen wären, um sich für eine Unterstützung des Projekts aussprechen zu können. Selbst SPD-Ratsherr Wilhelm Malerius und FDP-Ratsfrau Bettina Jebens, die sich mehrfach öffentlich für die Unterstützung des Projekts ausgesprochen hatten, ruderten in ihren Meinungen überraschend zurück. „Mir waren die Erzählungen zu schwammig. Wir brauchen eine Aufstellung, die klar definiert, wann was wie groß gebaut werden soll und was zu welcher Firma gehört. Nicht das plötzlich eine Firma Insolvenz anmeldet und wir dann dastehen “, forderte Malerius.

 

Überrascht über den Verlauf der Sitzung zeigte sich Tim Brandt. „Gerne hätte ich im Zuge der Sitzung unmittelbar zu dem Ausschuss gesprochen und Stellung bezogen, doch als Gast hat man kein Rederecht“, äußerte der Prokurist der Wind to Gas Süderdithmarschen GmbH & Co KG auf telefonische Nachfrage unserer Zeitung. „Es ist in der Tat so, dass wir nun abwägen müssen, wie viel Sinn es noch macht die Planungen zur Realisierung des Projekts in der Schleusenstadt noch weiter fortzuführen“, äußerte Brandt. Viel Zeit und Geld seien bereits in die Planungen geflossen, daher sei man, wie schon in der Vergangenheit grundsätzlich bereit, weiterhin eng mit dem Ausschuss zusammenzuarbeiten und das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. „Unsere Zeit ist nicht grenzenlos und natürlich müssen wir auch die entstehenden Planungskosten im Auge behalten“, erklärte Brandt. Etwas mehr Klarheit über den weiteren Planungsverlauf erhofft sich Brandt nach der Ermittlung der Daten die dem Ausschuss für eine Entscheidungsfindung fehlen. „Wir werden alle gewünschten Informationen liefern, die offen zu sein scheinen und dann muss man sehen wie es weitergeht.“

Wind02