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Internetseite für Metal-Fans mit Handicap

Aus der Sicht eines Menschen mit Handicap

 Internetseite für Metal-Fans (nicht nur) mit Handicap

„In Metal we are United“ – Ron Paustian trägt ein schwarzes T-Shirt der britischen Heavy-Metal-Band Iron Maiden und einen etwas längeren Kinnbart. Äußerlichkeiten, die einen gleich assoziieren lassen, dass der 36-Jährige ein Anhänger etwas härterer Musik ist. Was man jedoch weder auf dem ersten noch dem zweiten Blick erkennt, Ron leidet seit 20 Jahren unter einer psychischen Erkrankung. Unterschiedliche Angststörungen sind es beispielsweise, die sein Leben so massiv beeinflussen, dass es dem Familienvater zeitweilig extrem schwerfällt, den Alltag zu meistern. Die geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung sind bei Ron so massiv, dass bei ihm ein Grad der Behinderung von 50 festgestellt wurde und er somit als schwerbehindert gilt.

„Ich hätte sehr gerne in meinem erlernten Beruf weitergearbeitet“, erzählt der Bürokaufmann. Rund 2000 Bewerbungen und ebenso viele Absagen waren nicht gerade förderlich für den Verlauf der Krankheit. „In meinen Bewerbungen bin ich sehr offen mit meiner Erkrankung umgegangen, was wohl ein Fehler war“, glaubt Ron die Gründe für die Absagen gefunden zu haben. Seit einem halben Jahr ist Ron Paustian daher Frührentner. „Es ist nichts für mich, den ganzen Tag nur sinnlos herumzusitzen. Ich muss etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen“, sagt er.

Vor dreieinhalb Jahren hatte der Metal-Liebhaber mit Handicap eine Idee, womit er seine freie Zeit füllen könnte. Vor einem Konzertbesuch einer seiner Lieblingsbands wollte sich Ron im Internet über die räumlichen Gegebenheiten des Veranstaltungsortes informieren. „Ich wollte etwas über die Location in Erfahrung bringen, da ich nicht unmittelbar in einer Menschengruppe stehen kann und Rückzugsmöglichkeiten brauche“, so Paustian. Nach seiner erfolglosen Suche im World Wide Web setzte er sich direkt mit dem Veranstalter in Verbindung und schilderte sein Problem. Was folgte, war eine Einladung zum Konzert mit dem Versprechen, einen geeigneten Platz für ihn zu finden, von dem aus der das Konzert entspannt genießen kann. „Es war ein absolut genialer Abend“, erinnert sich Ron.united

Dieses durchweg positive Erlebnis brachte den 36-Jährigen auf die Idee, eine nicht kommerzielle Internetseite aufzubauen, auf der Metal-Fans nicht nur Konzertberichte und CD-Rewies erhalten, sondern Menschen mit einem Handicap zusätzlich sachliche, wertungsfreie Informationen über räumliche Gegebenheiten verschiedener Veranstaltungsorte und Festivalgelände bekommen. Informationen, die nicht nur Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten dienlich sind, sondern ebenso Menschen mit psychischen Krankheitsbildern wie beispielsweise Angststörungen. Gemeinsam mit einem gehbehinderten Freund entwickelte Ron Paustian einen Fragebogen. Dieser wurde deutschlandweit an Bars, Kneipen, Konzerthäuser geschickt, in denen Heavy-Metal gespielt wird. Ein weiterer, noch umfangreicherer Fragebogen an Festivalveranstalter. „Ich war erstaunt über die gute Resonanz“, erinnert sich Ron. Mehr als die Hälfte der versendeten Fragebögen kamen wieder zurück. Mittlerweile liegt die Quote der zurückgesendeten Fragebögen bei etwa 80 Prozent. „Es wurde wohl erkannt, dass wir nicht darauf aus sind, Räumlichkeiten zu bewerten, sondern neutral schildern, was die Gäste erwartet“, so Ron Paustian.  In den vergangenen drei Jahren sammelte der Initiator der Internetseite, der inzwischen von vier, ebenfalls gehandicapten Mitstreitern unterstützt wird, auf diesem Wege Informationen über 350 Locations und 70 Festivals, die auf seiner Internetseite veröffentlicht wurden.  Monatlich verzeichnet seine Internetzseite mittlerweile rund 35000 Besucher. Immer wieder erhält Ron Mails von begeisterten Lesern, die eine Rückmeldung über die von den Veranstaltern gemachten Angaben zu den Räumlichkeiten überprüft haben.

Doch damit nicht genug. Rund 300 Rollstuhlfahrer aus ganz Deutschland suchen jährlich den Kontakt zu dem Dithmarscher, der dann dabei behilflich ist, Konzertbesuche mit in die Wege zu leiten. „Ich übernehme in den meisten Fällen die Kontaktaufnahme zu den Veranstaltern oder dem Management der Bands, sodass die diese im Vorwege informiert sind, dass ein Rollstuhlfahrer das jeweilige Konzert besuchen möchte“, so Ron.  Dabei ist es ihm gelungen, auch das eine oder andere Treffen mit den Bands für die gehandicapten Konzertbesucher zu organisieren.

Spontan übernahm Ron Paustian auf Anfrage der Organisatoren der Brunsbütteler Wattolümpiade in diesem Jahr erstmalig den Posten des Beauftragten für gehandicapte Gäste bei den schmutzigen Spielen für eine saubere Sache. Eine Aufgabe, die er auch im kommenden Jahr gerne wieder übernehmen würde, konnte er doch so manch einem Gast im Rollstuhl dabei auch abseits des Internets hilfreich zur Seite stehen.

Überaus stolz ist Ron Paustian darauf, dass Leser den 36-Jährigen mit seinem Engagement und seiner Idee für den Deutschen Bürgerpreis sowie für die Auszeichnung sozialer Projekte durch die KfW-Bank vorgeschlagen haben. Während er andern Mitbewerbern für den Deutschen Bürgerpreis den Vorrang lassen musste, konnte er sich über eine Auszeichnung und ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro durch die Bankgruppe freuen.

„Ich werde das Preisgeld einem guten Zweck zukommen lassen“, erklärt Ron. Auch wenn er damit ganz gut mal seine eigenen Unkosten etwas decken könnte. Es ist halt seine Art, sagt er, dass er lieber teilt, als Dinge für sich zu behalten. So handhabt er das auch mit CDs, Postern oder anderen Sachen die er hier und da von Plattenfirmen, Bands oder Veranstaltern erhält. Diese Sachen werden regelmäßig unter den Besuchern seiner Seite verlost.

 

„In Metal we are United“ – weitere Informationen : www.new-metal-media.de

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