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Berufliche Bildung / Angebote und Chancen verbessern – Schule und Betriebe planen gemeinsame Projekte

Brunsbüttel 28.06.2014 – „Es ist allerhöchste Zeit, dass wir etwas für die Schüler, Brunsbüttel und den hiesigen Wirtschaftsraum auf die Beine stellen“, sagte Hans-Peter Stein. Der Schulleiter der Regionalschule Brunsbüttel läutet die Alarmglocken. Von 80 Abschlussschülern, die jetzt entlassen werden, haben 16 Schulabgänger absolut keine Ahnung, wie es beruflich weitergehen soll. Lediglich 29 Mädchen und Jungen haben einen Ausbildungsplatz in der Tasche. 27 haben sich entschieden, weiter die Schulbank zu drücken, während jeweils zwei Schüler ein Vorpraktikum oder eine Berufsqualifizierung absolvieren und drei Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bestreiten werden. Hinzu kommt der demografische Wandel und die damit sinkenden Schülerzahlen sowie der damit einhergehende Fachkräftemangel. „Als ich an 2010 an diese Schule gekommen bin, waren hier rund 610 Schüler. Heute liegen wir bei etwa 400“, so Stein.

Sowohl der scheinenden Antriebslosigkeit vieler Schüler, in Bezug auf ihre berufliche Zukunft als auch den Fachkräftemangel, will der Schulleiter gemeinsam mit seinem Kollegium aber vor allem mit Betrieben aus der Region den Kampf ansagen. Von 100 Betrieben, die zu einem ersten Gesprächskreis an den Runden Tisch geladen worden waren, nahmen 30 Unternehmen am Donnerstag in der Aula der Regionalschule die Einladung wahr. „Ich hatte die Hoffnung, dass wir diese Zahl an einen Tisch bekommen werden“, freute sich Stein über die Resonanz.

Sowohl die Schule als auch die Gewerbetreibenden teilten zunächst ihre jeweiligen Erfahrungen im Umgang mit Schülern mit und lieferten einen Sachstand in Bezug auf die individuellen Bemühungen Auszubildende für ihre Betrieb zu gewinnen.

„Wir veranstalten sowohl im Westküstenklinikum (WKK) Heide als auch hier in Brunsbüttel sogenannte Schnuppertage. Währen dieses Angebot in Heide extrem gut angenommen wird, scheinen sich die Schüler in Brunsbüttel gar nicht dafür zu interessieren“, so Birgit Voß, Ausbildungsmarketingleiterin am WKK.

Überrascht über die hohe Zahl an Schüler, die nach der Beendigung der Schule nicht wissen wie es mit ihnen und der beruflichen Laufbahn weitergehen soll zeigte sich unter anderen Mirco Haack. „Auf unsere freie Ausbildungsstelle hatten wir lediglich eine einzige Bewerbung“, sagte der Personalleiter der Spedition Kruse.

„Bei unseren Überlegungen, wie wir die Schüler einfangen können, um ihr Interesse für eine Ausbildung zu wecken, befinden wir uns auf einem Niveau wie vor 30 Jahren. Wir müssen uns anpassen und die unterschiedlichen Kommunikationsmittel von heute nutzen“, äußerte Ingo Gejewski. Der Mitarbeiter von Bayer MateriaScience ging damit auf die Vorschläge aus der nachfolgenden Diskussionrunde ein, die sich mit den Lösungsmöglichkeiten auseinandersetzte.

Aus dieser wurden am Ende zunächst einmal ein Vier-Punkte-Plan erarbeitet. So ist für den 1. September die Eröffnung einer dauerhaften „Stummen-Berufsmesse“ in der Regionalschule geplant. Die Betriebe werden zahlreiche Pinnwände mit Informationen über ihre Unternehmen und die gebotenen Ausbildungsmöglichkeiten gestalten. Diese Informationen sollen den Schülern bei der Berufsfindung helfen, sowie die Aufnahme eines Erstkontakts vereinfachen. Im Zuge eines „Ausbildungs-Stammtisch“ ist angedacht, die Schüler in regelmäßigen Abständen mit Auszubildenden unterschiedlicher Betriebe für einen Erfahrungsaustausch zusammenzubringen. Ferner sollen unterschiedliche Praktikakonzepte erarbeitet werden, die auf die Bedürfnisse von Schülern und Betriebe abgestimmt sein werden. Gespräche mit Eltern, die zur Unterstützung hinzugezogen werden sollen, stehen ebenfalls auf dem Plan.

erbRunderTisch02

 

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